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Adaptionsnotizen: Fifty Shades of Grey

Box Office Erfolg
Die als erotische Romanze ausgewiesene Literaturadaption “Fifty Shades of Grey” (Regie: Sam Taylor-Johnson nach einem Roman von E. L. James) gilt den Medien als kommerzieller Erfolg. Mit dem weltweiten Einspielergebnis von derzeit 546 Mio. $ (Stand: 16.03.2015) dürften wohl alle Beteiligten einigermaßen zufrieden sein. Bekanntlich führt die filmische Darstellung von Sexualität im angloamerikanischen Raum im Vergleich zur Darstellung von Gewalt zu höheren Altersfreigaben1. Daher hat zum Beispiel der erste Teil der “Hunger Games”-Trilogie weltweit knapp 700 Mio. $ eingespielt, obwohl zum Zeitpunkt der Premiere nur etwa 26 Millionen Exemplare der Buchreihe verkauft waren, während von der “Fifty Shades”-Trilogie laut Wikipedia schon jetzt über 70 Millionen Exemplare in den Händen von zumeist Frauen gelandet sind.

Zielgruppenzufriedenheit
Der Box-Office-Erfolg der auf einer Fan-Fiction basierenden Aschenputtel-Geschichte verdankt sich nicht nur der großen Leserinnenschaft, sondern auch einer geschickten Marketingstrategie. Bei einer genaueren Betrachtung der Zuschauerzahlen fällt allerdings auf, dass der Film in der zweiten Woche ein Minus von 72% zu verzeichnen hatte (The Hunger Games:  -58,2%). Nicht nur der Zuschauerrückgang könnte ein Hinweis auf ein nicht zur Gänze zufriedenes Zielpublikum sein, auch die Bewertungen werfen diesbezüglich Fragen auf: Nur etwa 46% der Nutzer/innen von Rotten Tomatoes mögen den Film und auf der IMDb erhält er schwache 4,2 Punkte. An dieser Stelle muss offen gelassen werden, ob man von den Kommentaren auf Portalen wie Rotten Tomatoes oder IMDb auf die Zufriedenheit der weiblichen Fans schließen kann. Auffällig ist jedenfalls, dass dort viele Männer ihre Meinung kund getan haben, und die gehören bekanntlich nicht zur Zielgruppe des auch als Mommy-Porn titulierten Produktes.

Umsetzung
Sam Taylor-Johnson hat sich 2013 als Regisseurin für ein Projekt verpflichtet, bei dem die Produktionsfirma der Buchautorin E. L. James bereits weitgehende Mitspracherechte eingeräumt hatte. Über die in der Folge schwierigen Auseinandersetzungen zwischen Taylor-Johnson und E. L. James wurde vielfach berichtet. In Anbetracht des Ergebnisses lässt sich schlussfolgern, dass sich James nicht selten durchgesetzt haben dürfte: Die Filmhandlung weicht nur in Details vom Buch ab; es werden keine überraschenden Verkörperungen der Protagonisten geboten; wie im Buch geht es auch im Film um die sexuelle Erweckung einer jungen Frau und die Erlösung eines gepeinigten Mannes.
Die Welt, in der die Geschichte angesiedelt ist – Baumarkt und Studenten-WG auf der einen und sterile Großstadtarchitektur mit überdimensionalen Panoramafenstern auf der anderen Seite – wurde so professionell wie konventionell in Szene gesetzt. Das große Wagnis dieses Films bestand in der Darstellung der Sex-Szenen, über die im Vorfeld dann auch ausführlich spektuliert wurde. In diesen Szenen besteht der größte Unterschied zwischen Buch und Film, die Abweichung betrifft allerdings nicht die Quantität (ca. 20 Minuten im Film, ca. 65 Seiten im Buch), sondern die Art der Darstellung. Die Sex-Szenen werden in der Vorlage aus der Perspektive der Protagonistin explizit beschrieben. Autorin James hatte sich Medienberichten zufolge auch eine explizitere Darstellung im Film gewünscht. Zu sehen sind dann nur ein paar Peitschen, viel Haut und sehr oft das Gesicht der jungen Verführten. Die Regisseurin hat Explizites aber nicht nur aus den Bildern verbannt, sondern auch aus dem Ton. Statt Sexgeflüster und –gestöhne gibt es Kuschelmusik.

Fifty Shades Darker?
Der Hype um das Franchise wird derzeit mit Gerüchten über einen Ausstieg der britischen Regisseurin aufrechterhalten. Falls es dazu kommen sollte, kann man dann irgendwann vielleicht überprüfen, welche anderen Darstellungen möglich sind und wie sie sich auf die Zuschauerinnenmobilisierung auswirken. Sehr wahrscheinlich ist das nicht.

1 Fifty Shades of Grey
Einspielergebnis: US/Canada 159 Mio. $ (Altersfreigaben: R/18)
Einspielergebnis: UK 49 Mio. $ (Altersfreigabe: 18A)

The Hunger Games
Einspielergebnis: US/Canada 408 Mio. $ (Altersfreigaben: PG-13/PG)
Einspielergebnis: UK 37 Mio. $ (Altersfreigabe: 12A)

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