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Genre, Mockumentary/Faux-Found-Footage

Star-Mockumentaries

Work by Banksy
Image via Wikipedia

Bücher und Diplomarbeiten, die sich mit Mockumentaries beschäftigen, betonen die kreativen und medienkritischen Möglichkeiten des Genres. Diese wurden letztens von drei Filmen – in denen interessanterweise populäre Zeitgenossen wie z.B. der Schauspieler Joaquin Phoenix und Street-Artist Banksy eine Rolle spielen – eindrucksvoll belegt.

Exit Trough the Gift Shop
„Exit Through the Gift Shop“ soll damit begonnen haben, dass der französische Filmemacher Thierry Guetta die ultimative Graffiti-Dokumentation über Banksy machen wollte. Banksy hat den Franzosen dann aber zum Graffiti-Künstler bekehrt, woraufhin dieser als Mr. Brainwash – für die Ausstellung „Life is beautiful“ von Banksy & Co. mit Street Credibility ausgestattet – in großem Stil als Street-Artist durchgestartet ist. Diese Ereignisse wurden von Banksy in „Exit Through the Gift Shop“ dokumentiert.

Neben Unterhaltung bietet „Exit Through the Gift Shop“ denn auch jede Menge Anlass zu medien- und kunstkritischer Reflexion: Ist Mr. Brainwash ein Medienkonstrukt? Ist der Künstler dahinter in Wirklichkeit der Künstler Space Invader? Was ist überhaupt Kunst? Auf den Vorwurf, das Ganze sei ein Schwindel, antwortete Banksy folgerichtig: “As it turns out, some of the people don’t believe it anyway and they think the film is some kind of spoof. This is ironic because ‘Exit Through the Gift Shop’ is one of the most honest films you’ll ever see.” Diese Ansage hat Banksy selbstverständlich nicht etwa bei einer Q&A am Potsdamer Platz gemacht, sondern in einem Video, das anlässlich der Berlinale aufgezeichnet wurde. Im Übrigen soll der Täuschungskünstler in Berlin genauso Phantom geblieben sein, wie zuvor schon in Park City.

I’m Still Here: The Lost Year of Joaquin Phoenix
Joaquin Phoenix, der im Oktober 2008 im Holzfällerstyle unter Fan-Tumulten angekündigt hat, Rapper zu werden, soll von einer wilden Tournee zurück sein. Schon kurz nachdem bekannt wurde, dass Phoenix den Schauspiel-Job, den er bis dahin mit Passion und Bravour erledigt hatte, aufgeben wolle, war zu lesen, dass dieser „Berufswechsel“ von Schwager Casey Affleck dokumentiert würde. Eine Fake-Doku. Das war sogar Gwynnie Ninny klar. Aber worüber? Über den Aufruhr, den ein solch wahnwitziges Vorhaben auslösen könnte oder darüber, dass es gar nicht wahnwitzig sei? Ein paar skurrile Talk-Show-Auftritte und (inszenierte?) Bühnenumfaller später, in etwa Anfang 2010, taucht Phoenix gut gelaunt und in alter Frische aus der Asche wieder auf. Unter dem Titel „I’m Still Here: The Lost Year of Joaquin Phoenix“ wird die von Affleck und Phoenix produzierte Mockumentary in etwa ab diesem Zeitpunkt hinter verschlossenen Türen gehandelt. Das Festivalpublikum in Cannes jedenfalls soll geschockt sein und Affleck wird nicht müde zu behaupten, dass alles – ja was wohl: Sex, Gewalt, Drogen – echt sei. Die Vorstellungen von Normalsterblichen über das exzessive Tourleben von Musikern haben schon frühere Mockumentaries wie  z.B. „Hard Core Logo“ bestens bedient. Was kann da noch kommen? Wird es den Zuschauer/innen die Schuhe ausziehen, weil die überzeichnete Version eines sowieso schon Mythen umwobenen Superstars … ja was? Keine Hemmungen kennt?

Paper Heart
Die Mockumentary „Paper Heart“ fängt vermeintlich den Beginn einer Romanze zwischen der Komikerin Charlyne Yi mit dem aus „Juno“ bekannten Jungschauspieler Michael Cera ein, die sich zu einem Zeitpunkt anbahnt, als Charlyne einen Dokumentarfilm über das Geheimnis der Liebe macht. Dass sie darin eine zentrale Rolle spielt, ist für den Regisseur die Begründung dafür, warum die Romanze gefilmt wird – ob’s dem sympathisch-schrägen Newcomer Cera nun gefällt oder nicht. So bekommen wir zu sehen, wie sich das schrullige Nachwuchstalent und die nerdige Komikerin aufeinander einlassen und wie sie damit umgehen, dass die Kamera etwas öffentlich macht, was bei Promi-Typen ihrer Art vermutlich eher unter höchster Geheimhaltung stattfände. Neben Charlyne Yi und Michael Cera, die sich selber spielen, gibt es die wichtige Nebenfigur des Regisseurs Nick Jasenovec. Die Rolle dieses Antagonisten – sein „Authentizitätshunger“ steht zwischen Yi und Cera – wird von einem Schauspieler gespielt, der aber nicht als solcher erkennbar ist.

In allen drei Filmen erzeugt die Frage Spannung „Wann hört die Darstellung einer Figur durch den Schauspieler auf und wann fängt die Selbstdarstellung des Menschen an“. Dabei bedienen alle drei – „I’m still here“ vielleicht mehr, „Exit“ weniger – auf den ersten Blick einen Zuschauervoyeurismus. Von den bereits im Kino angelaufenen MockDocs „Paper Heart“ und „Exit“ kann man aber schon sagen, dass sie darüber hinaus zur Reflexion über Wirklichkeit und Wahrhaftigkeit, über mediale und persönliche Inszenierung, über Schein und Sein in einer Weise anregen, wie es im Kino kaum ein anderes Format schafft.

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Star-Mockumentaries

Mit Begriffsdefinitionen und Authentisierungsstrategien in Mockumentaries beschäftigen sich viele Bücher und Diplomarbeiten. In „Die Mockumentary als unterhaltsame Reflexion des Tatsachenberichts“ werden mehrfach die kreativen und medienkritischen Möglichkeiten von Mockumentaries betont, die gerade von drei aktuellen Beispielen – in der wohl nicht zufällig populäre Zeitgenossen wie z.B. der Schauspieler Joaquin Phoenix und Street-Artist Banksy eine Rolle spielen – eindrucksvoll belegt werden.

Exit Through the Gift Shop“ soll damit begonnen haben, dass der französische Filmemacher Thierry Guetta die ultimative Graffiti-Dokumentation über Banksy machen wollte. Banksy hat den Franzosen dann aber zum Graffiti-Künstler bekehrt haben, woraufhin dieser als Mr. Brainwash – für die Ausstellung „Life is beautiful“ von Banksy & Co. mit Street Credibility ausgestattet – in großem Stil als Street-Artist durchgestartet ist. Diese Ereignisse wurden von Banksy in „Exit Through the Gift Shop“ dokumentiert. Neben Unterhaltung bietet der Film denn auch jede Menge Anlass zu medien- und kunstkritischer Reflexion: Ist Mr. Brainwash ein Medienkonstrukt? Ist der Künstler dahinter in Wirklichkeit der Künstler Space Invader? Was ist überhaupt Kunst? Auf den Vorwurf, das Ganze sei ein Schwindel, antwortete Banksy folgerichtig: “As it turns out, some of the people don’t believe it anyway and they think the film is some kind of spoof. This is ironic because ‘Exit Through the Gift Shop’ is one of the most honest films you’ll ever see.” Diese Ansage hat Banksy selbstverständlich nicht etwa bei einer Q&A gemacht, sondern in einem Video, das anlässlich der Berlinale aufgezeichnet wurde. Im Übrigen soll der Täuschungskünstler in Berlin genau so Phantom geblieben sein, wie zuvor schon in Park City. Aber immerhin hat er sichtbare Spuren auf Lein- und Steinwänden hinterlassen.

http://blogs.taz.de/popblog/2010/02/15/berlinale_3_banksys_exit_through_the_gift_shop_martin_scorseses_shutter_island_submarino/

I’m Still Here: The Lost Year of Joaquin Phoenix

Joaquin Phoenix, der im Oktober 2008 im Holzfällerstyle unter Fan-Tumulten angekündigt hat, Rapper zu werden, soll von einer wilden Tournee zurück sein. Schon kurz nachdem bekannt wurde, dass Phoenix den Schauspiel-Job, den er bis dahin mit Passion und Bravour erledigt hatte, aufgeben wolle, war zu lesen, dass dieser „Berufswechsel“ von Schwager Casey Affleck dokumentiert würde. Eine Fake-Doku. Das war sogar Gwynnie Ninny klar. Aber worüber? Über den Aufruhr, den ein solch wahnwitziges Vorhaben auslösen könnte oder darüber, dass es gar nicht wahnwitzig sei? Ein paar skurrile Talk-Show-Auftritte und (inszenierte?) Bühnenumfaller später, in etwa Anfang 2010, taucht Phoenix gut gelaunt und in alter Frische aus der Asche wieder auf. Unter dem Titel I’m Still Here: The Lost Year of Joaquin Phoenix wird die von Affleck und Phoenix produzierte Mockumentary in etwa ab diesem Zeitpunkt hinter verschlossenen Türen gehandelt. Das Festivalpublikum in Cannes jedenfalls soll geschockt sein und Affleck wird nicht müde zu behaupten, dass alles – ja was wohl: Sex, Gewalt, Drogen – echt sei. Die Vorstellungen von Normalsterblichen über das exzessive Tourleben von Musikern haben schon frühere Mockumentaries wie z.B. „Hard Core Logo“ bestens bedient. Was kann da noch kommen? Wird es den Zuschauer/innen die Schuhe ausziehen, weil die überzeichnete Version eines sowieso schon Mythen umwobenen Superstars … ja was? Keine Hemmungen kennt?

Kündigung http://www.youtube.com/watch?v=nN7qWg-wnbc&feature=PlayList&p=1436A5857BE185B2&playnext_from=PL&playnext=1

Letterman: http://www.youtube.com/watch?v=HXpYk7WGN5Y

gwyneth http://www.youtube.com/watch?v=8sqoHHgzbjI&feature=related

Miley http://www.youtube.com/watch?v=tzX6XXVEa4s

umfaller http://www.youtube.com/watch?v=7F_Ikksg40U&feature=player_embedded

trailer paper heart http://www.youtube.com/watch?v=xkdrdSCBZmk

Die Mockumentary „Paper Heart“ fängt vermeintlich den Beginn einer Romanze zwischen der Komikerin Charlyne Yi mit dem aus „Juno“ bekannten Jungschauspieler Michael Cera ein, die sich zu einem Zeitpunkt anbahnt, als Charlyne einen Dokumentarfilm über das Geheimnis der Liebe macht. Dass sie darin eine zentrale Rolle spielt, ist die Begründung dafür, warum die Romanze Teil des Films wird, ob’s dem sympathisch-schrägen Newcomer Cera nun gefällt oder nicht. So bekommen wir zu sehen, wie sich das schrullige Nachwuchstalent und die nerdige Komikerin aufeinander einlassen und wie sie damit umgehen, dass die Kamera etwas öffentlich macht, was bei Promi-Typen ihrer Art tendenziell eher unter höchster Geheimhaltung stattfände. Neben Charlyne Yi und Michael Cera, die sich selber spielen, gibt es die wichtige Nebenfigur des Regisseurs Nick Jasenovec. Die Rolle dieses Antagonisten – sein „Authentizitätshunger“ steht zwischen Yi und Cera – wird von einem Schauspieler gespielt, der aber nicht als solcher erkennbar ist.

In allen drei Filmen erzeugt eine Frage besondere Spannung: „Wann hört die Darstellung einer Figur durch den Schauspieler auf und wann fängt die Selbstdarstellung des Menschen an“. Dabei bedienen alle drei – „I’m still here“ vielleicht mehr, „Exit“ weniger – auf den ersten Blick einen Zuschauervoyeurismus.
Von den bereits angelaufenen MockDocs „Paper Heart“ und „Exit“ kann man aber schon sagen, dass sie darüber hinaus zur Reflexion über Wirklichkeit und Wahrhaftigkeit, über mediale und persönliche Inszenierung, über Schein und Sein in einer Weise anregen, wie es im Kino kaum ein anderes Format schafft.

Pseudo-authentische Star-Figuren sind im letzten Jahrzehnt häufiger auch in Serienformaten aufgetaucht. Seit 8 Staffeln wird mit „Entourage“ in etwa der Aufstieg von Vince Chase zum Superstar erzählt. In „Extras“ begegnet der glaubwürdig bedeutungslose Andy „Performer ohne Text“ Millman (Ricky Gervais) in jeder Episode einem anderen Superstar. Kate Winslet spielt dann nicht z.B. die romantische Rose aus „Titanic“, sondern eine Schauspielerin, die sich daneben benimmt.

Das Genre der Mockumentaries kann man aber auch aus der Warte der „Helden“ betrachten, die die Big-Brother-Container ausgespuckt haben. Man könnte zum Schluss kommen, idealisierte fiktive Helden sind out, authentische Menschen sind in und das können dann auch Superstars sein.

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