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Filmanalysen

Filmanalyse: Thelma and Louise

KURZKOMMENTAR

THELMA AND LOUISE ist ein Roadmovie, das die Geschichte einer Freundschaft erzählt, ein weiblicher Buddy-Movie. Thelma und Louise sind bereit, für die Befreiung/Erlösung der jeweils anderen jeden Preis zu bezahlen, sogar mit dem Tod. Diese Analyse beschäftigt sich nicht mit der Struktur des Films, sondern mit dem emotionalen Thema Freundschaft.

KURZINHALT

Die Hausfrau Thelma beschließt – gegen das Wissen ihres ignoranten und bevormundenden Ehemanns – einen Wochenendausflug mit Freundin Louise zu machen, welche vor der „Unverbindlichkeit“ ihres Freundes für ein Wochenende aus der Stadt verschwinden will. Auf dem Weg zu einer Hütte am Berg machen die beiden Frauen Halt in einer Kneipe, wo Thelma ausgelassen feiert und die Nacht mit einem Mann durchtanzt, der sie später auf den Parkplatz zu vergewaltigen versucht. Dazu kommt es aber nicht, weil Louise rechtzeitig dazu kommt und den Mann mit einer Waffe bedroht. Dieser lässt zwar von Thelma ab, aber nicht davon, Louise zu beschimpfen. Louise erschießt ihn im Affekt.

Daraufhin beschließt Louise, nach Mexiko zu flüchten und Thelma entscheidet sich nach einem enttäuschenden Telefonat mit ihrem Ehemann, mitzukommen. Die Polizei stellt bald einen Zusammenhang zwischen den beiden Frauen und dem Toten auf dem Parkplatz her und heftet sich ihnen an die Fersen, zumal Thelma bald darauf einen Überfall auf einen Laden macht. Die Polizei kommt immer näher und letzten Endes fahren die Beiden mit ihrem Cabrio in den Abgrund.

FIGUREN

Thelma

Sie ist eine brave, unschuldige Hausfrau, die von ihrem Mann abgewertet, klein gehalten und eingesperrt wird. Sobald sie mit Louise unterwegs ist, benimmt sie sich wie ein ausgelassenes Mädchen in den Schulferien. An der Tragödie ist sie ursächlich beteiligt, weil sie eine Waffe mitgenommen und sich auf den falschen Mann eingelassen hat. Auch der spätere Geldverlust ist auf ihre Naivität und Gutgläubigkeit zurück zu führen.

Am Anfang könnte Thelma noch aussteigen, sie könnte zurückfahren, ihrem Mann alles erzählen, sich den Fragen der Polizei stellen, wieder in ihr altes Leben zurückkehren. Aber sie entscheidet sich anders: Sie wird nicht in ihr altes Leben zurückkehren, sondern mit Louise nach Mexiko gehen.

Dann kreuzt JD ihre Wege. Thelma fleht Louise an, den Autostopper mitzunehmen und wieder fällt sie auf den falschen Mann herein. Er bereitet ihr zwar eine tolle Liebesnacht, nach der sich Thelma wie neu geboren fühlt, aber dann raubt er sie aus, womit er die beiden Frauen vor ein großes Problem stellt: Sie sind ohne Geld auf der Flucht. Thelma „löst“ das Problem, indem sie einen Laden ausraubt.

Danach kann auch sie nicht mehr ohne weiteres in ihre altes Leben zurückkehren und die beiden Frauen beginnen, sich auszusprechen, sich gegen übergriffige Männer zu Wehr zu setzen und letzten Endes, sich voneinander zu verabschieden.

Thelma macht den Vorschlag, in den Abgrund zu fahren. Sie wirkt befreit.

Louise

Sie ist eine schlagfertige, starke, selbständige Frau, aber sie hat auch ein Geheimnis, ein traumatisches Erlebnis in ihrer Vergangenheit, das sie nicht verwunden hat. Dieses traumatische Erlebnis führt dazu, dass sie Thelmas Fast-Vergewaltiger auf dem Parkplatz im Affekt erschießt. Da sie als Vergewaltigungsopfer schon einmal vom texanischen Staat im Stich gelassen wurde, hat sie kein Vertrauen in die Exekutive und will nach Mexiko fliehen. Sie weiß, dass sie den Mann ermordet hat und dass sie dafür ins Gefängnis gehen wird. Der Schuss war aber auch eine Erlösung.

Louise erwartet von Thelma, dass sie sich entscheidet, ob sie mitkommt oder nicht. Gleichzeitig versucht sie Geld für die Flucht zu organisieren. Louise ruft ihren Freund Jimmy an, der sich bisher noch nicht mit einem Ring zu ihr bekannt hat, und bittet ihn um Geld. Er gibt es ihr und nicht nur das: Er bringt es ihr persönlich und macht ihr einen Heiratsantrag und als sie ablehnt, stellt er nicht viele Fragen und lässt sie gehen. Damit hat sich Louise auch von diesem Kapitel ihres Lebens verabschiedet und wäre bereit, nach Mexiko aufzubrechen, aber dann stellt sich heraus, dass Thelma sich von JD das Geld von Jimmy hat stehlen lassen. Jetzt stehen sie wieder ohne Geld da. Louise ist verzweifelt. Es ist wie ein Kampf gegen Windmühlen. Immer wieder bringt Thelma sie in Schwierigkeiten, aber sie macht ihr keine Vorwürfe. Louise ist von den Ereignissen erschüttert und überlässt der zunehmend wilder und entschlossener werdenden Thelma die Initiative. Zu diesem Zeitpunkt ist Louise’ Befreiungsgeschichte schon fast abgeschlossen und sie wird zur staunenden Beobachterin von Thelmas Wandlung/Befreiung.

FREUNDSCHAFT

Louise bewahrt Thelma vor der traumatischen Erfahrung einer Vergewaltigung und wird dabei vom Schmerz über die eigene Vergewaltigung eingeholt und erschießt den Angreifer. Aus Dankbarkeit/Loyalität/Schuldbewusstsein verrät Thelma Louise nicht bei der Polizei. Sie bleibt bei Louise und entscheidet sich nach einem enttäuschenden Telefonat mit ihrem Ehemann dafür, mit Louise nach Mexiko zu fliehen. Nach der Entscheidung für MEXIKO, nach der Entscheidung, gemeinsame Sache zu machen, müssen sich die beiden Frauen neu zusammen raufen. Unter anderem geht’s darum, ob sie den Autostopper JD mitnehmen sollen. Louise gibt nach und gewährt Thelma den neuen Spielgefährten. Währenddessen trifft Louise ihrem Freund Jimmy, der ihr das Geld für die Flucht gibt. In dieser Nacht – die Louise mit Jimmy und Thelma mit JD verbringt – verändern sich die beiden Frauen. Nach dieser Nacht werden sie mit ihrem alten Leben abgeschlossen haben und bereit sein für das Neue. Aber wieder wird ihr Plan von Thelmas Naivität durchkreuzt: Thelma wird von JD bestohlen und sie verrät ihm das Fluchtziel, das er wiederum später der Polizei verraten wird. Nun ist Louise am Boden zerstört: die Trennung von dem Mann den sie liebt, ohne Geld auf der Flucht – sie ist am Ende. Sie hat nicht einmal mehr die Kraft, Thelma Vorwürfe zu machen.

Jetzt ist aber Thelma zu neuem Leben erwacht und entdeckt die Gangsterin in sich und übernimmt die Führung auf der Flucht, die im Weiteren dazu führt, dass sie eine Bank ausrauben, einen Polizisten in einen Kofferraum sperren und einen LKW in die Luft jagen.

Am Ende spüren sie, dass sie nicht entkommen können und bestätigen einander, dass sie nichts bereuen und dass die gemeinsame Befreiung die Reise wert waren und letzten Endes auch den Tod.

EMOTIONALES THEMA

Thelma hat eine Entwicklungsgeschichte. Einmal losgelassen wird Thelma von der braven, eingeschränkten Ehefrau zunächst zum ausgelassen Mädchen, und dann immer mehr zu einer unbändigen Wildkatze. Am Ende ist sie frei und stark und selbstbewusst. Sie hat sich aus dem Kerker ihrer manipulativen Ehe befreit und kann zu sich selber finden: sie eine mutige, entschlossene Frau.

Louise hat eher eine Erlösungsgeschichte. Sie muss sich von der traumatischen Vergangenheit befreien, die unausgesprochen darin besteht, dass sie zweimal Opfer wurde: einmal das Opfer eines Vergewaltiger und einmal Opfer der Justiz. Für das, was ihr angetan wurde, ist nie jemand zur Rechenschaft gezogen worden. Daher kann auch sie erst jetzt abschließen, nachdem sie einen Vergewaltiger bestraft hat und der Polizei zu entkommen versucht. Sie geht mit ihrer Geschichte versöhnt in den Tod.

Diskussionen

2 Gedanken zu “Filmanalyse: Thelma and Louise

  1. weiss jemand wo die Schlusszene gedreht wurde denn wir reisen nächstens in die USA und möchten diesen Ort besuchen

    Verfasst von Pierre Robichon | Oktober 24, 2013, 5:28 pm

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