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Trend: Breaking the Fourth Wall [Updated]

In den letzten Jahren gab es nicht allzu viele Filme, in denen Figuren die „vierte Wand“ durchbrachen und sich direkt an die Zuschauer/innen wandten. Eine der Ausnahmen ist der Spielfilm „The Wolf of Wall Street“ (Regie: Martin Scorsese), in dem Leonardo DiCaprio den Börsenmakler Jordan Belford spielt. Die direkte Publikumsansprache gewinnt aber gerade wieder an Beliebtheit. Ein aktueller Film, in dem Figuren die „vierte Wand“ ignorieren, ist der ebenfalls im Spekulanten-Milieu angesiedelte, gerade mit einem Oscar für das Beste Adaptierte Drehbuch ausgezeichnete Spielfilm „The Big Short“ (Regie: Adam McKay). In dieser formal äußerst experimentierfreudigen Finanzsatire richten sich nicht nur die Protagonisten mit ihren Erklärungen zum Zocken auf die Immobilienblase an die Zuschauer/innen, sondern auch diverse „Gäste“, wie etwa der TV-Koch Anthony Bourdain.
Ein anderer Film, in dem der Hauptdarsteller aktuell auf originelle Weise Kontakt zu den Zuschauer/inne/n aufnimmt, ist der Box-Office-Kracher „Deadpool“ (Regie: Tim Miller). Wie in den Comics ulkt der Mann mit der roten Maske auch im Film Richtung Publikum. Dass seiner Maske dank Motion Capture Ausdruck verliehen wurde, schadet da nicht.
Ebenfalls von der Kinoleinwand aus angesprochen werden wir derzeit von den Figuren des neuen Films der Coen-Brüder. Die haben zuvor schon auf subtile Weise die Zuschauer/innen adressiert, im Kritiker-Liebling „Hail, Caesar!“ erreicht dieses Stilmittel aber vielleicht einen neuen Höhepunkt.

Great_train_robbery_stillFilmfiguren haben sich seit jeher immer mal wieder an die Kamera und damit an die Zuschauer/innen gewandt, man denke nur an „The Great Train Robbery“ (Regie: Edwin S. Porter, 1903), an dessen Ende der Revolverheld auf das Publikum zielt. Seitdem kam das Stilmittel in etlichen Kultfilmen und Klassikern zum Einsatz, wie etwa in „Annie Hall“ (Regie: Woody Allen, 1977), „Goodfellas“ (Regie: Martin Scorsese, 1990). „Orlando“ (Regie: Sally Potter, 1992) oder „Fight Club“ (Regie: David Fincher, 1999).

Seit spätestens den 1960er Jahren richten auch Komödiant/inn/en das Wort an die Zuseher/innen, so geschehen etwa in „Alfie“ (1966/2004), “Trading Places” (1983), „Mel Brooks‘ Spaceballs“ (1987) oder „Wayne’s World“ (1992). Das Paradebeispiel einer Komödie, die sich dieser Technik bedient, ist „Ferris Bueller’s Day Off“ (Regie: John Hughes, 1986). In diesem Teenie-Streifen spielt Matthew Broderick einen Jugendlichen, der uns unter anderem erklärt, wie man eine Krankheit vortäuscht, wenn man die Schule schwänzen will. Aber nicht nur in der Comedy wird dieses Stilmittel genutzt, sogar James Bond hat „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ (1969) schon mal die „vierte Wand“ zerstört.

Zuhauf und quer durch alle Genres adressiert haben Filmfiguren das Publikum um 2000 herum, etwa im bereits erwähnten „Fight Club“ (1999), in den Literaturadaptionen „American Psycho“ (2000) und „High Fidelity“ (2000), im Publikums-Hit “Amélie” (2001), sowie in „Jay and Silent Bob Strike Back“ (2001), „Kiss Kiss Bang Bang“ (2005) und “Lord of War” (2005). Ob es sich bei der derzeitigen, eingangs erwähnten Häufung („The Big Short“, „Deadpool“, „Hail Caesar!“) um einen Zufall handelt, bleibt abzuwarten. Interessant ist jedenfalls zu beobachten, wie dieses Stilmittel auf ein Publikum wirkt, das in dramatisierten dokumentarischen Formaten wie „Jinx“ oder „Making a Murderer“ von Protagonisten adressiert wird, die nicht minder fiktiv anmuten als etwa Amélie Poulain.

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Trend: Breaking the Fourth Wall [Updated]

  1. Der Erste der dies tat, aber noch ohne etwas zu sagen, war Oliver ‚Ollie‘ Hardy (Dick&Doof) und das schon in den 30ern. Aber auch viele andere Slapstick-Werke spielten damit, auch Charlie Chaplin wandte sich mimisch mehr als einmal sehr kurz an das Publikum.
    Das kommt gar net so selten vor, nur sind die ‚Publikumszuwendungen‘ eher ehr kurz, so das es dann eben nicht so sehr auffällt.

    Verfasst von zykez | März 2, 2016, 4:45 pm

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