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Kriegsfilm, Literaturadaption

Adaptionsnotizen: Ang Lees „Billy Lynn’s Long Halftime Walk“

Voraussichtlich im Herbst dieses Jahres kommt „Billy Lynn’s Long Halftime Walk“ (IMdB) in die Kinos. Darin spielt der Newcomer Joe Alwyn unter der Regie von Ang Lee einen 19-jährigen Soldaten, der als Mitglied der Militäreinheit Bravo Squad 2004 im Irak dient. Billy Lynn und seine Gefährten befinden sich auf einer Propagandatour durch die USA, bei welcher sie als Helden herumgereicht werden, nachdem sie durch ein zufällig gefilmtes Feuergefecht zu einiger Berühmtheit gelangt sind.

Ang Lee ist bekanntlich ein sehr vielseitiger Regisseur, in seiner Filmografie sind Comicadaptionen ebenso zu finden wie Kostümfilme. Seine größten Erfolge verdankt der Taiwanese bislang literarischen Vorlagen. „Sense and Sensibility“, „Crouching Tiger, Hidden Dragon“, „Brokeback Mountain“ und „Life of Pi“ wurden mit insgesamt 14 Academy Awards ausgezeichnet. Das weckt gewisse Erwartungen an „Billy Lynn’s Long Halftime Walk“, denn das Drama basiert auf dem preisgekrönten Roman von Ben Fountain. Das Drehbuch – Ang Lee überlässt das Schreiben zumeist anderen – stammt von Simon Beaufoy („Slumdog Millionär“) und Jean-Christophe Castelli (ein Wegbegleiter Ang Lees).

Viele Filme, die sich in den letzten 10 Jahren mit Konflikten im Mittleren Osten beschäftigten, beruhen auf wahren Begebenheiten. „Jarhead“ (Regie: Sam Mendes) basiert auf den Memoiren von U.S. Marine Anthony Swofford, das Action-Drama „American Sniper“ (Regie: Clint Eastwood) auf der Autobiographie von U.S. Navy Seal Chris Kyle und „Lone Survivor“ (Regie: Peter Berg) auf einem Buch von U.S. Navy Seal Marcus Luttrell. „Green Zone“ (Regie: Paul Greengrass) verarbeitet ein Sachbuch des Journalisten Rajiv Chandrasekaran und „In the Valley of Elah“ (Regie: Paul Haggis) einen Artikel von Autor Mark Boal („The Hurt Locker“).  Dass der Spielfilm „Billy Lynn’s Long Halftime Walk“ auf einem Roman beruht, macht ihn zu einer Ausnahme.

Wie hier ausführlich beschrieben wurde, hatten es Spielfilme, in dem kriegerische Konflikte im Mittleren Osten thematisiert werden, in der jüngeren Vergangenheit am Box Office und bei der Kritik nicht immer leicht. Das gilt auch für jene Dramen, die sich wie „Billy Lynn“ im Wesentlichen fern von der Front abspielen, wie etwa „Lions for Lambs“ (Regie: Robert Redford), das bereits erwähnte Drama „In the Valley of Elah“ (Regie: Paul Haggis) oder das Remake „Brothers“ (Regie: Jim Sheridan nach einem Film von Susanne Bier).

Von den beiden letztgenannten Antikriegsdramen unterscheidet sich Ang Lees Film in mehrerlei Hinsicht. Während in „Brothers“ und „In the Valley of Elah“ die Angehörigen von Soldaten im Mittelpunkt stehen, spielen sie in der Fountain-Verfilmung nur am Rande eine Rolle. Im Gegensatz zu den zuvor genannten eher düsteren Filmen, mutet der Roman von Fountain eskapistisch an. Die Handlung ist – abgesehen von „Rückblenden“ zu einem Familienbesuch und zu Kampfhandlungen im Irak – in einem Football-Stadion angesiedelt, wo die Jungs der Bravo Squad abfeiern. Sie werden zu Fototerminen gebeten, zum Essen in den VIP Club eingeladen und treten in der Halbzeit des Thanksgiving-Spiel der Dallas Cowboys mit Destiny’s Child auf.

Wie all diese Ereignisse auf den kriegsmüden jungen Helden Lynn wirken, bekommt man im Roman ausführlich geschildert. Ob sich der Film hier mit einer Off-Stimme behelfen oder zu anderen Lösungen finden wird, bleibt abzuwarten. Dass es einige Rückblenden zum Kampfgeschehen geben dürfte, darauf weist eine Ankündigung Lees hin, nach welcher durchgängig mit einer „Ultra High Frame Rate“ von 120 Bildern pro Sekunde und in 3D gedreht wird, um die Zuschauer/innen das Kampfgeschehen möglichst realistisch erleben zu lassen. Ob diese Technik-Entscheidung zur Bewältigung inhaltlicher Herausforderungen – wie etwa die Vermittlung von Billy Lynns innerer Stimme – beiträgt, wird sich im kommenden November zeigen.

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