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Adaption, Biografie

„Steve Jobs“: It’s not meant to be a dramatic re-creation of actual events (Aaron Sorkin)

2008 verstörte Drehbuchautor Aaron Sorkin Branchenbeobachter/innen mit der Ankündigung ein Drehbuch über die Gründung von Facebook schreiben zu wollen. Man fragte sich, warum ausgerechnet der bekanntlich wenig internetaffine „The West Wing“-Schöpfer Sorkin ein Drehbuch über die gerade mal vier Jahre alte Online-Plattform schreiben wollte, und warum er sich ausgerechnet Zuckerberg & Co. und nicht etwa zum Beispiel Bill Gates, Steve Jobs oder einen der anderen interessanten Protagonisten der digitalen Ära vornehmen wollte. Nur zwei Jahre später kam mit „The Social Network“ (Regie: David Fincher) der Film in die Kinos, für den Sorkin kurz darauf einen Oscar für das Beste adaptierte Drehbuch erhalten sollte. Zurecht wurde dem Werk eine Anerkennung zuteil, die anderen Filmen über Computer- und Internetpioniere vorenthalten geblieben ist. Zu erwähnen wären hier etwa „Jobs“ (USA 2013; Asthon Kutcher spielt den Apple-Gründer), „Pirates of Silicon Valley“ (USA 1999; über Steve Jobs und Bill Gates) oder „The Fifth Estate” (USA 2013; der bekannteste unter mehreren WikiLeaks/Assange-Filmen).

An “The Social Network” beeindruckt zum Beispiel, dass die Filmemacher Sorkin und Fincher sich nicht gescheut haben, Zuckerberg (Jesse Eisenberg) zum unsympathischen Protagonisten zuzuspitzen. Das was aber noch mehr Anerkennung verdient, ist die Struktur des Films, über die schon viel geschrieben wurde (Script Analysis). Im Rahmen zweier  Rechtsstreitigkeiten, in die Protagonist Mark Z. involviert ist, wird die Entstehungsgeschichte von Facebook erzählt. In dieser geht es ganz maßgeblich um Diebstahl und Verrat. Durch seine Struktur lässt der Film Auslassungen und verschiedene Blickwinkel zu und vermeidet es so, Dinge zu erklären oder zu erzählen, die nicht erzählt oder erklärt werden müssen oder wollen. Der Film erlaubt den Zuschauer/inne/n sich ein Bild der Ereignisse zu machen, wie es gewesen sein könnte und erzählt nebenbei vieles über Internetentrepeneure und über unser digitales Zeitalter mit.

Ähnliches leistet der ebenfalls auf einem Drehbuch von Sorkin basierende Film “Steve Jobs” (Regie: Danny Boyle), der eben in den Kinos angelaufen ist. Die Story des Films konzentriert sich auf drei Schlüsselmomente im Leben von Jobs (Michael Fassbender) und zwar auf einige seiner frühen Produktpräsentationen (für die späteren ist Jobs in seinen letzten zehn Jahren über die Apple-Fangemeinde hinaus bekannt geworden). Im Film finden sich kurz vor den Präsentationen des Macintosh (1984), des NeXT Cube (1988) und des iMac (1998) hinter den Kulissen immer wieder die gleichen Personen ein, um Jobs zu unterstützen oder um etwas von ihm zu fordern. Mit diesen Szenen wird ein interessantes Bild davon entworfen, wie dieser Mann gewesen sein könnte und nebenbei wird ein Teil der Apple-Geschichte miterzählt.

Sowohl für “The Social Network” als auch für “Steve Jobs” wurden von den Produktionsfirmen Bücher optioniert. Während der “Facebook-Film” Ben Mezrichs “The Accidental Billionaires” sehr verwandt ist, hat sich Sorkin bei “Steve Jobs” nur spärlich  an Walter Isaacsons authorisierter Jobs-Biografie, für deren Rechte zwischen 1 – 3 Millionen $ bezahlt worden sein sollen, bedient. Den Buchautor dürfte das aber nicht gestört haben.

Schon früher haben sich Regisseure nicht um die Regeln konventioneller Biopics geschert, willkürlich seien hier mit „I’m Not There“ (Regie: Todd Haynes) oder „Last Days“ (Regie: Gus van Sant) nur zwei Beispiele genannt. Der nicht unumstrittene Autor Sorkin – seine Drehbücher werden immer wieder wegen ihrer Geschwätzigkeit und noch öfter wegen fragwürdiger Frauenrollen kritisiert – kann seine Filme über die Apple- und Facebook-Gründer trotz, oder gerade wegen seines lockeren Umgang mit den Fakten schon jetzt als große Erfolge verbuchen. Diese Filme bedeuten aber nicht nur ein paar Statuetten für seinen Autor, sie werden auch die Art und Weise beeinflussen, wie die Progagonist/inn/enen des digitalen Zeitalters hinkünftig im Kino – im Unterschied zum TV – porträtiert werden.

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