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Serien

Serienadaption von „Serial“

Im letzten Jahr hat ein Podcast für Furore gesorgt, in dem 12 Episoden lang ein alter Kriminalfall in Baltimore wieder aufgerollt wird. 1999 wurde der damals 17-jährige Adnan Syed verhaftet, weil er verdächtigt wurde, seine Ex-Freundin Hae Min Lee ermordet zu haben. Ein Jahr später wurde er für diese Tat zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Journalistin Sarah Koenig wurde von Freunden Syeds auf den Fall aufmerksam gemacht. Koenig, eine der Producerinnen der preisgekrönten Kult-Radiosendung „This American Life“, begann sich in den Fall zu vertiefen. In der Folge produzierte sie gemeinsam mit Kollegin Julie Snyder den Podcast „Serial“, in dem sie alten und neuen Spuren nachgehen, alte Zeugen wieder befragen und neue ausforschen, alte Theorien überprüfen und neue entwerfen. Beim Versuch einer Neubewertung des Falls, beleuchten die versierten Erzählerinnen auch, unter welchen Bedingungen es zur Verurteilung von Syed kam. Dabei geht es etwa darum, welche Rolle der muslimische Hintergrund des Jugendlichen gespielt haben könnte, oder wie eine schwere Erkrankung seiner Anwältin den Ausgang des Prozesses beeinflusst haben mag.

Die Zuhörer/innen erleben mit Koenig die Höhen und Tiefen ihrer unermüdlichen Suche, sie erleben deren Erkenntnislust und -frust, sie spüren deren Zweifel und Hoffnung. Die Geschichte hält das Weltpublikum – „Serial“ steht kostenlos im Internet zur Verfügung – nicht zuletzt wegen der gekonnten Spannungsdramaturgie bei der Stange. Das ist vermutlich auch einer der Gründe, warum „Serial“ vielen als „Audio-Game-Changer“ gilt. Wenig überraschend gibt es bereits Nachfolger, unter anderem auch einen deutschsprachigen: rbb rollt in „Wer hat Burak erschossen?“ einen ungeklärten Mordfall in Berlin wieder auf und erzählt ihn als 9-teiligen Podcast.
Im Baltimore-Fall konnten
Koenig und ihre Kolleginnen dem Fall letztendlich nicht nur kein Happy End abringen, sondern auch keine Auflösung. Immerhin haben sie erreicht, dass der Fall ein „post-conviction Hearing“ bekommt. Außerdem nimmt sich das Innocence Project, eine Non-Profi-Organisation, die sich um die Aufklärung von Justizirrtümern bemüht, des Falls an. Man darf gespannt sein, was dabei heraus kommt.

Ob es für die Fernsehserie, die zu Serial geplant ist, relevant werden wird, ist fraglich. Denn in deren Mittelpunkt soll angeblich nicht der Kriminalfall stehen, sondern die Producerinnen Koenig und Snyder. Das mag vielleicht überraschend sein, aber nicht uninteressant, wenn man berücksichtigt, dass Phil Lord und Chris Miller hinter dem Vorhaben stehen. Die haben schon alle Skeptiker/innen einer „Lego-Verfilmung“ eines Besseren belehrt.

 

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