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Literaturadaption

Adaptionsnotizen: „Ich und Kaminski“

Der Spiegel schreibt, dass von allen Kehlmann-Büchern „Ich und Kaminski“ mit seinem übersichtlichen Figurenarrangement sicherlich das am dankbarsten zu adaptierende sei. Im Gegensatz dazu ist man bei EPD überrascht, „dass von den bislang verfilmten Romanen Daniel Kehlmanns nicht die üppige ‚Vermessung der Welt‘ die beste Kinovorlage ist, erst recht nicht der verkopfte ‚Ruhm‘, sondern der ‚kleinere‘, introspektive ‚Ich und Kaminski‘“.

Auch wenn die überschaubare Zeitdauer und Figurenanzahl von „Ich und Kaminski“ eine Verfilmung begünstigen, gibt es leichter zu adaptierende Vorlagen. Schwierig gemacht habe die Finanzierung des Films etwa, dass die beiden Hauptfiguren nicht besonders sympathisch sind. Eine Herausforderung der Adaption war auch, die inneren Monologe, die den Protagonisten im Buch zu einer interessanten Figur machen, zu veräußerlichen. Außerdem hatten Drehbuchautor Thomas Wendrich und Regisseur Wolfgang Becker damit umzugehen, dass der Roman mittendrin von einem Kammerspiel auf ein Roadmovie umschwenkt. Vielfach wurde von den am Projekt Beteiligten auch darüber gesprochen, wie wichtig es war, für den Film ein künstlerisches Gesamtwerk (Kaminskis) zu schaffen, dem man seine Bedeutung auch abnahm.

Mit ihrer Adaption sind Wendrich und Becker nah am Roman geblieben. Ob die Werktreue dem Film gut getan hat, darüber ist man unter den Kritiker/inne/n geteilter Meinung. Die FAZ schreibt: „der Film traut seinen Figuren nicht. Stattdessen klammert er sich an die Story, an jede Biegung, jeden Schlenker, den sie macht. Er stopft sie mit Rückblenden voll, in denen Zöllners Recherche abgeklappert wird. Und er verkleistert sie mit einem Soundtrack, der das Geschehen mal pathetisch überlädt, mal parodistisch bespöttelt. Er sucht eine Tonlage und findet sie nicht.“ Im Gegensatz dazu ist auf kunst+film zu lesen: „Diese wilde Mischung aus Kunstbetriebs- und Medien-Satire, Sittenkomödie und Generationen-Konfrontation jagt Daniel Kehlmann in seiner Romanvorlage durch etliche Schauplätze und Situationen. Wundersamerweise bringt es Regisseur Becker fertig, sie sämtlich auf die Leinwand zu übertragen und mit allerlei gimmicks und Aperçus anzureichern, ohne dass der Film zerfasert oder überladen wirkt.“

In Anbetracht der vielen Herausforderungen der Vorlage – Autor Wendrich spricht in einem VDD-Podcast darüber – ist den Filmemachern ein respektables Werk gelungen. Daniel Kehlmann jedenfalls dürfte zufrieden mit der filmischen Version seiner Geschichte sind.

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