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Figuren, Serien

Serienfiguren: Politiker/innen

Hierbei handelt es sich um einen aktualisierten Artikel vom September 2012.

Kürzlich ging es im torrent-Podcast 013 um die dänische Polit-Dramaserie „Borgen“ (seit 2010), welche eine dänische Ministerpräsidentin als Hauptfigur hat. Im torrent-Gespräch über die Serie wurde zwar nicht ausdifferenziert, was eine Politserie ausmacht, an den Meinungsverschiedenheiten wurde aber deutlich, wie vielfältig das Verständnis von Politik ist und wie unterschiedlich infolgedessen die Bewertung von Politserien ausfallen muss. Wer sich etwa für eine einigermaßen realistische Darstellung von politischem Tagesgeschäft interessiert, schätzt „Borgen“. Wer Politikern bei skrupellosen Machtspielen zuschauen will, wird eher den Sender wechseln. In der Diskussion über „Borgen“ streiften die Gesprächsteilnehmer/innen auch andere Politserien, wie etwa die britischen Miniserien „Ambassadors“ (2013) und „Secret State“ (2012). Selbstverständlich wurden auch der Klassiker unter den Politserien, „The West Wing“ (1999-2006) und die Netflix-Serie „House of Cards“ (seit 2013) erwähnt.

Netflix, Hulu, Amazon
In dem auf einer gleichnamigen britischen Serie von 1990 basierenden Polit-Thriller „House of Cards“ spielt Kevin Spacey den Politiker Frank Underwood, der auf seinem Weg ins Weiße Hause vor nichts zurück schreckt. Dass der Serie im letzten Jahr überbordende Berichterstattung zuteil wurde, hat aber mehr mit der innovativen Vertriebsstrategie des Streamingsdienstes zu tun, als mit der extremen Persönlichkeit des Protagonisten. Eine solche konnte man zuvor schon in „Boss“ (Starz, 2011 – 2012) erleben. In der Dramaserie spielt Kelsey Grammer auf beeindruckende Weise den äußerst skrupellosen Bürgermeister von Chicago, dem zum Machterhalt jedes Mittel recht ist. Bei „House of Cards“ handelte es sich wenig überraschend auch nicht um die erste Politi-Dramaserie eines Streamingdienstes. Schon zuvor hat etwa Hulu mit dem Comedy-Drama „Battleground“ (2012) aufhorchen lassen. Im Mittelpunkt der Serie steht der Leiter einer Wahlkampagne, die eine demokratische Außenseiter-Kandidatin in den U.S. Senat bringen soll. Zuletzt hat auch Amazon Studios mit  „Alpha House“ (2013) eine Politserie veröffentlicht. In dem Comedy-Drama geht es um vier US-Senatoren, die sich in Washington, DC ein Haus teilen.

Präsidentinnen
Die französische Comedy „L’Etat de Grace“ (2006) und die US-amerikanische Dramaserie „Commander in Chief“ (ABC, 2005-2006) haben zwar weder die modernsten Frauenfiguren, noch die spannendsten Politikertypen als Protagonisten, aber immerhin dürften sie als Serien einen Pionierbonus verbuchen, weil sie erstmals Frauen in politischen Spitzenpositionen zeigten. Ähnlich wie Birgitte Nyborg in „Borgen“ sind auch in anderen Politserien Frauen überraschend auf dem Chefposten gelandet. Während Nyborg wegen eines Skandals ihres Widersachers zum Zug kommt, durfte sich die von Geena Davis gespielte Politikerin in „Commander in Chief“ (ABC, 2005-2006) nach dem Tod des amtierenden Präsidenten über seinen Posten freuen. Auch die Präsidentschaftskandidatin in der neuen französischen Serie „Les Hommes de l’ombre“ (seit 2012) darf sich nach dem Tod des Amtsinhabers Hoffnungen auf den Spitzenplatz machen.  Dieser bleibt den Protagonistinnen zweier anderer Serien verwehrt: In der Sitcom „Veep“ (HBO, seit 2012) spielt Julia Louis-Dreyfus eine vergleichsweise machtlose US-Vizepräsidentin. In „Political Animals“ (USA Network, 2012) verkörpert Sigourney Weaver eine sympathisch-ehrgeizige Außenministerin, die vergeblich auf das Präsidentenamt spitzt. Während „Veep“ (eine Adaption der BBC-Serie „The Thick of it“ von 2005) ein Publikumserfolg ist und kürzlich um eine vierte Staffel verlängert wurde, konnte sich die Dramaserie „Political Animals“ nicht halten.

Dramatische Konflikte in Politserien
Dass „Political Animals“ nach einer Staffel eingestellt wurde, könnte mit der vergleichsweise harmlosen Hauptfigur zu tun gehabt haben. Die Dramatik von Polit-Dramaserien ergibt sich nicht selten aus den Opfern, die Polit-Protagonisten ihren Familien abverlangen und hierin hatte „Political Animals“ – so wie „Boss“ – einiges zu bieten. Die Belastung, die Politikerkarrieren, für das Familienleben bedeuten ist aber nur ein Thema, um das es in diesen Serien geht, andere beschäftigen sich mit dem komplizierten Geflecht zwischen Politik und Medien, dem Widerspruch zwischen Selbstvermarktung und Authentizität und dem Spagat zwischen Opportunismus und Integrität.

In einem Spiegelartikel von 2008 schrieb Lars-Olav Beier, dass Politiker in fast jeder Hinsicht dem Anforderungsprofil des klassischen Helden widersprechen: „Politiker müssen viel reden; Helden müssen viel handeln. Politiker müssen ihre Emotionen unterdrücken; Helden müssen sie ausleben. Helden werden von anderen Männern ins Feuer geschickt; Politiker schicken andere Männer ins Feuer. Für die meisten Hollywood-Produzenten ist Exekutivgewalt nur dann spannend, wenn sie mit den bloßen Fäusten oder dem Revolver ausgeübt wird.“ So verführerisch diese These auch klingen mag, sie lässt sich vermutlich nicht halten. Mit Birgitte Nyborg („Borgen“) und „Frank Underwood“ („House of Cards“) sind nur zwei Figuren genannt, die in den letzten Jahren im Serienfernsehen dramatisches Potential bewiesen haben. Aus dem Erfolg dieser Serien kann man jedenfalls eine andere These zum Gelingen von Politikerbiografien ableiten: Sie brauchen Zeit und das ist etwas, das nicht im Kino, sondern im Serienfernsehen zur Verfügung steht. Als Beleg kann hier etwa die viel gelobte 7-teilige HBO-Serie „John Adams“ (2008) angeführt werden, die vom Leben und Wirken des zweiten US-Präsidenten erzählt.

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