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Dramaturgie, Serien

Serien: Ein dramaturgischer Beitrag auf Drama Blog

Hier ging es schon öfter um jene ambivalenten Helden, die im letzten Jahrzehnt die Fernsehbildschirme erobert haben. Kürzlich hat der Autor und Dramaturg Jürgen Seidler einen anregenden Gastbeitrag auf Thilo Röscheisens Drama Blog veröffentlicht, in dem er am Beispiel der Netflix-Serie „House of Cards“ auf weitere Paradigmenwechsel in US-amerikanischen Serien-Produktionen hingewiesen hat. Demnach unterscheidet sich Frank Underwood („House of Cards“) von Anti-Helden wie Tony Soprano oder Walter White unter anderem dadurch, dass hier nur noch die egozentrische Liebe zu sich selbst zähle. In „House of Cards“ werde aber nicht nur noch tiefer in menschliche Abgründe geblickt, es würden auch die unbarmherzigen Mechanismen unserer Gesellschaft bloß gelegt. Dies gilt übrigens gleichermaßen auch für die zu Unrecht weit weniger gelobte Polit-Serie „Boss“ (Starz) oder etwa auch die Kultserie „The Wire“, in welcher das freilich weit weniger spekulativ vonstattenging. Am Beispiel der Drogenbekämpfung in Baltimore zeigten David Simon und seine Kollegen über mehrere Staffeln, wie sich der „War on Drugs“ zu einem Krieg gegen die Unterschicht gewandelt hatte.
In seinem Artikel streift Seidler viele Themen, unter anderem wird man angeregt darüber nachzudenken, ob die Entblößung von Machtmechanismen (z. B. in Politik und Medien) für die neuen Serien das sein könnte, was unmoralische Helden für die herausragenden Serien des letzten Jahrzehnts waren. Der Artikel regt auch zur Reflexion darüber an, welche Rolle das horizontale Erzählen in der Vergangenheit bei der Auflösung von Erzählkonventionen gespielt hat und welche Bedeutung eine Aufwertung der Rolle der Autor/inn/en bzw. eine Ausweitung ihrer Zuständigkeiten künftig bei der Erschaffung bahnbrechender Serien (hierzulande) haben könnte.
An machen Stellen gerät der Text zwar etwas auf Abwege, wenn zum Beispiel der preisgekrönte Spielfilm „Oh Boy“,  welcher schon mit zahlreichen Klassikern der Filmgeschichte in Verbindung gebracht wurde, als Beleg für das Comeback des Anti-Helden angeführt wird, dafür sind andere Textstellen umso weitsichtiger, zum Beispiel wenn prognostiziert wird, dass aufstrebende (US-amerikanische) Streamingdienste in nicht allzuferner Zukunft die deutsche Medienlandschaft verändern werden. Auf die zu erwartenden Aktivitäten eben dieser Dienste wird es demnächst an dieser Stelle gehen.

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