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Adaption, True Story

True Stories: Kontroversen um Authentizität und Wahrhaftigkeit [Updated]

Hier ging es schon öfter um den Trend zur Adaption wahrer Geschichten. Zahlreiche der 2013 bei der Kritik und/oder beim Publikum beliebtesten Filme basieren mehr oder weniger auf wahren Ereignissen und Personen, zum Beispiel die Biopics „12 Years a Slave“, „The Butler“, „Fruitvale Station“, „Mandela“, „The Wolf of Wall Street“, „Saving Mr. Banks“, „Liberace“, „Inside Llewyn Davis“, “Dallas Buyers Club“ und „Rush“, aber auch abenteuerliche Kriminal- oder Kriegsgeschichten wie „American Hustle“, „The Bling Ring“, „The Monuments Men“, „Captain Phillips“, „Pain and Gain“ und „Lone Survivor“.

Ist Captain Phillips ein Held?
Der Kinostart einiger dieser Filme wurde bereits von mehr oder weniger heftigen Kontroversen begleitet. So geriet schon im Herbst 2013 der Action-Thriller „Captain Phillips“ wegen der Äußerungen einiger ehemaliger Crew-Mitglieder der Maersk Alabama, nach denen Phillips keineswegs der Held sei, als der er im Film dargestellt werde, in die Authentizitätskritik. Paul Greengrass dürfte – unter anderem mit einem AMA (Ask Me Anything) auf Reddit – Beobachter/innen davon überzeugt haben, dass er sich bei bei der Adaption der Erzählung des Piratenangriffs auf die Maersk Alabama (basierend auf einem Buch von Captain Richard Phillips und Stephan Talty) redlich um Wahrhaftigkeit bemüht hat.

Handelt es sich bei „12 Years a Slave“ um Torture-Porn?
Eine Kontroverse ausgelöst hat auch „12 Years a Slave“, allerdings wird diese zunehmend zu einer Kontroverse um den Filmkritiker Armond White. Der hat unter anderem im /Film Podcast Nr. 252 das allseits gelobte Drama von Regisseur Steve McQueen heftig kritisiert. Ein Blick auf die Top 10 Listen US-amerikansicher Filmkritiker/innen für 2013 zeigt, dass er bei seiner Ablehnung des Films zahlreiche Kontrahent/inn/en hat. Dass er sich zuletzt bei einer Ehrung des Films daneben benommen haben dürfte, wird seiner durchaus interessanten Kritik an „12 Years a Slave“ kaum nutzen. In der geht es übrigens nicht um eine Kritik an den Fakten der Geschichte von Solomon Northup (auf dessen Autobiografie der Film beruht), sondern um die Art und Weise, wie mit Sklaverei und Rassenkonflikten erzählerisch umgegangen wird. Der für seine provokante Filmkritik bekannte White reiht den Film etwa zu „Saw“ und „Hostel“ ins Torture-Porn-Genre.

Ist „The Wolf of Wall Street“ einseitig?
Auch die kürzlich laut gewordene Kritik an „The Wolf of Wall Street“ hat nicht zuallererst damit zu tun, dass Martin Scorsese die Fakten verfälscht hat, die Kritik ist unter anderem darauf gerichtet, dass die Protagonisten des Films idealisiert und die Opfer ihrer Verbrechen ignoriert werden.

„Lone Survivor“: Stimmen die Facts und die Message? [Update vom 05.02.2014]
Kürzlich wurde im Slashfilm Podcast Ep. 258 über den Kriegsfilm „Lone Survivor“ (Regie: Peter Berg) diskutiert. Im Gespräch ging es unter anderem auch kurz darum, welche Rolle das US-amerikanische Militär bei der Fiktionalisierung dieser wahren Geschichte gespielt und wie sich das auf die Authentizität und die Botschaften des Films ausgewirkt hat (ab Minute 48:42).

„Dalles Buyers Club“: War Ron Woodroof bisexuell? [Update vom 06.04.2014]
Schon im November 2013 wurde im Online-Magazin Slate nach einem Gespräch mit Drehbuchautor Craig Borten unter dem Titel „How Accurate Is Dallas Buyers Club?“ die Authentizität des Films überprüft. Kürzlich hat  Forrest Wickman unter dem Titel „Was the Hero of Dallas Buyers Club Actually Bisexual?“ nach genauer nachgeforscht. In seinem Artikel wird die Entwicklung von Woodroof vom homophoben Hetero zum Verfechter der Sache AIDS-kranker Homosexueller zumindest in Frage gestellt.

Dass diese Kontroversen jetzt an Lautstärke gewinnen, dürfte nicht zuletzt mit dem Näherrücken der Academy und anderer Awards zu tun haben. Es könnte durchaus sein, dass einige der genannten Filme dasselbe Schicksal erleiden wie im letzten Jahr „Zero Dark Thirty“. Dem Drama von Kathryn Bigelow hat die Kontroverse um die Darstellung der Folter im Film damals einige Oscar-Chancen gekostet. Dass „American Hustle“ der große Gewinner der kürzlich vergebenen Golden Globes ist, kann zumindest in diese Richtung gedeutet werden. Jedenfalls darf man gespannt sein, ob Authentizitäts- und Wahrhaftigkeitskritik weiter hochkochen, wenn demnächst die Oscar-Nominierungen bekannt gegeben werden.

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