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Figuren, Trend

Trend: Neue Heldinnen

The Hunger Games (film)

The Hunger Games (film) (Photo credit: Wikipedia)

Zuletzt war die Darstellung von Frauen im Film wieder einmal beliebtes Thema in den Medien. Anlass war unter anderem die Initiative einiger schwedischer Kinobetreiber, die ihr Programm dem Bechdel-Test unterzogen. Mit diesem Test wird eruiert, ob a) in einem Film mindestens zwei Frauen mitspielen, die b) miteinander reden und zwar c) über etwas anderes als Männer. Eine ausführliche Infografik zur Darstellung von Frauen im Film wurde kürzlich auch von der New York Film Academy zur Verfügung gestellt. Die Infografik zeigt zum Beispiel, dass nur 30,8% der sprechenden Rollen Frauenfiguren sind und dass 26,2% der Schauspielerinnen teilweise nackt gezeigt werden, während das nur auf 9,4% ihrer männlichen Kollegen zutrifft.

Eigenwillige Heldin
In der Berichtserstattung über derlei Initiativen  und Untersuchungen ist fast immer vom „The Hunger Games“-Franchise die Rede. Über die Besonderheiten der von Jennifer Lawrence dargestellten Figur der Katniss Everdeen lässt sich einiges sagen, zum Beispiel, dass das Begehren der zwei „love interests“ (Josh Hutcherson als „Peeta“ und Liam Hemsworth als „Gale“) für die Protagonistin der Reihe nicht handlungsbestimmend ist. Die „love interests“ steigern lediglich die Dramatik in den Subplots, für die emotionale Entwicklung der Protagonistin spielen sie bislang aber keine nennenswerte Rolle. Zunächst sind für die eigensinnige junge Frau die Erfahrungen in den Hungerspielen und die Bewältung derselben, sowie der Schutz ihrer Familie zentral. Mit jedem Teil der Reihe gewinnt jedoch ihre Rolle als (unfreiwillige) Initiatorin einer Rebellion gegen das Kapitol an Bedeutung. Die Figur unterscheidet sich von anderen Helden auch dadurch, dass sie sich (zumindest in den ersten zwei Teilen) nicht willentlich zur unbesiegbaren Rebellin aufschwingt, sondern letztlich durch ihr Mitgefühl und ihren Gerechtigkeitssinn Zeichen setzt, die andere zur Rebellion inspirieren.

Mädchenstudien
Um diese Figur geht es am Rande auch in einem Artikel in der Süddeutschen, der sich hauptsächlich mit aktuellen weiblichen Coming-of-Age-Geschichten beschäftigt (u. a. mit „Blau ist eine warme Farbe“ von Abdellatif Kechiche). In diesem Artikel wird die These vertreten, dass weibliche Pubertät lange höchstens in verklausulierten Märchen dargestellt wurde („Carrie“, „Black Moon“, „Picknick am Valentinstag“). Dem Artikel zufolge gäbe es nun ein gesteigertes Interesse von Filmemacher/inne/n (z. B. Mia Hansen-Løve, François Ozon) an der Darstellung junger Frauen. Diese Filmemacher/innen würden sich im Gegensatz zu früheren (Truffaut, Godard & Co. werden in diesem Zusammenhang genannt) nicht nur für die hübschen Köpfe der jungen Frauen interessieren, sondern auch für das, was darin vorgeht. Ob die im Artikel behauptete Trendwende (der neue Blick auf die jungen Frauen im französischen Kino) generell auf das europäische Autoren-Kino übertragbar ist, darf ruhig in Frage gestellt werden. Der Trend zur Hinwendung der US-amerikanischen Blockbuster-Industrie zu bislang nur sporadisch genutzten kämpferischen weiblichen Protagonistinnen ist im Gegensatz dazu aber unübersehbar, wie hier (auf Seite 13) schon ausführlich belegt wurde. tbc

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