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Adaption, Biografie, Trend, True Story

True Stories Trend: Sportikonen, Royals und Internetpioniere [Updated]

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Hier ging es zuletzt mehrmals um die Adaption wahrer Geschichten, einmal im Zusammenhang mit dem Trend zur Adaption von Magazin-Artikeln und ein andermal in einem Artikel über die Helden und Antihelden des digitalen Zeitalters. In den nächsten Monaten laufen zahlreiche, mehr oder weniger auf realen Ereignissen basierende Filme im Kino an, unter anderem „Captain Phillips“,  „The Momuments Men“, „The Wolf of Wall Street“, „Inside WikiLeaks“ und „Twelve Years a Slave“. Anlässlich dessen wird hier ein Überblick gegeben, welche Themen und Figuren aufgegriffen und in welche Genres sie jeweils verpackt werden.

Crime & War
Das Crime-Drama „American Hustle“ (Regie: David O. Russell) basiert (vermutlich lose) auf einer Aktion des FBI, mit der Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre gegen die Korruption im US-amerikanischen Kongress vorgegangen wurde. Zur Mitarbeit an der Operation engagierte das FBI einen verurteilten Trickbetrüger. Der brilliante Betrüger wird in „American Hustle“ von Christian Bale, der FBI-Agent von Bradley Cooper dargestellt. Das Drehbuch von Eric Singer („The International“) war 2010 die Nummer 8 auf der Black List.
Um Korruption, diesmal an der Wall Street, geht es auch im autobiografischen Crime-Drama „The Wolf of Wall Street“ (Regie: Martin Scorsese). Der Film basiert auf den Memoiren von Jordan Belfort, der in den 1980ern an der Wall Street reich geworden ist. Als er sich weigerte in einem Korruptionsskandal mit dem FBI zusammenzuarbeiten, kam er ins Gefängnis. Die Hauptrolle in dieser Story um Aufstieg und Fall eines Börsenmaklers hat auch in diesem Scorsese-Film wieder Leonardo DiCaprio übernommen.
Im Action-Adventure „Captain Phillips“ spielt Tom Hanks unter der Regie von Paul Greengrass („United 93“, „Bourne“ 2 & 3) den Kapitän des Containerschiffs MV Maersk Alabama, welches im April 2009 an der afrikanischen Küste von somalischen Piraten geentert wurde. Die Adaption basiert auf dem Tatsachenbericht „A Captain’s Duty: Somali Pirates, Navy SEALS, and Dangerous Days at Sea“, der in Zusammenarbeit von Kapitän Richard Phillips und Stephan Tatty entstanden ist. Der Film des britischen Regisseurs ist in den USA bereits unter großem Zuspruch von Kritik und Zuschauer/innen angelaufen. [Update vom 22.10.2013: Paul Greengrass hat kürzlich in einem AMA (Ask Me Anything) auf Reddit Stellung zur Kritik an der Authentizität von „Captain Phillips“ genommen.]
Das Action-Drama „The Monuments Men“ (Regie: George Clooney) basiert auf einem Buch von Robert M. Edsel und Bret Witter, welche jene Militäreinheit erforscht haben, die im Zweiten Weltkrieg zum Kulturgüterschutz nach Europa und nach Deutschland kam. Matt Damon und George Clooney spielen die Kunstschützer, die im Wettlauf gegen die Zeit versuchen, Kulturgüter vor den Nazis zu retten.
Das Kriegsdrama „Lone Survivor“ (Regie: Peter Berg) basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch des ehemaligen Navy SEAL Mitglieds Marcus Luttrell. Darin beschreibt Luttrell einen Einsatz der SEALs in Afghanistan im Jahr 2005, aus welchem er als einziger Überlebender hervor gegangen ist. „Lone Survivor“ mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle startet 2014 in den Kinos.
Das Crime-Drama „The Bling Ring“ (Regie: Sofia Coppola) handelt von einer Gruppe Jugendlicher, welche die Häuser von Paris Hilton, Orlando Bloom, Lindsay Lohan und anderen Stars ausräumen. Der Film basiert (teilweise) auf dem Vanity Fair Artikel „The Suspect Wore Louboutins“.

Afroamerikanische Geschichten: The Butler, Twelve Years a Slave
Der Erzählung zweier Geschichten von Afroamerikanern haben sich die Ausnahmeregisseure Lee Daniels („Precious“) und Steve McQueen („Hunger“) gewidmet. Daniels hat die auf einem Artikel basierende Geschichte von Cecil Gaines, welcher im Weißen Haus acht Präsidenten gedient hat, auf die Leinwand gebracht. McQueen hat mit „Twelve Years a Slave“ die gleichnamige Autobiografie von Solomon Northup adaptiert, welcher vor dem amerikanischen Bürgerkrieg als freier Mann entführt und in die Sklaverei verkauft wurde. „The Butler“ hat seine Produktionskosten schon mit dem Kinostart in den USA vielfach wieder eingespielt, „Twelve Years a Slave“ läuft zwar erst an, wurde aber von der Kritik bereits hoch gelobt.

Sportikonen: Niki Lauda, Pelè & Co.
Derzeit ist hierzulande im Kino „Rush“ (Regie: Ron Howard) zu sehen, ein biografisches Action-Drama, in dem es um das Duell der Formel-1-Rennfahrer Niki Lauda und James Hunt um den Weltmeistertitel 1976 geht. Der Film basiert auf einem Drehbuch des in Wien lebenden Autors Peter Morgan. Dessen Verbindungen zu Lauda dürften nicht zuletzt dazu geführt haben, dass die Verfilmungsrechte mit der Formel 1 geklärt werden konnten. Noch in Arbeit ist ein Biopic zu Lance Armstrong, dessen TV-Beichte bei Oprah Winfrey kürzlich um die Welt gegangen ist. Nun interessiert sich auch die Filmindustrie für die Geschichte des gefallenen Stars. Die mit „Red Blooded American“ betitelte Adaption seiner Geschichte basiert auf einen Drehbuch von Scott Z. Burns („Side Effects“). Jay Roach („Meet the Parents“) soll Regie führen, Bradley Cooper könnte in die Rolle von Armstrong schlüpfen. Gerüchten zufolge soll sich auch Regisseur Stephen Frears intensiv mit Armstrong beschäftigen. In seiner Adaption könnte Ben Foster die Hauptrolle übernehmen. An einem Film über die brasilianische Fußball-Ikone Pelé arbeiten derzeit die Dokumentarfilmer Jeff und Michael Zimbalist. [Update vom 05.12.2013: J.C. Chandor verfilmt die Geschichte von Football-Coach Vince Lombardi]

Princess Stories: Diana, Grace of Monaco
Über die Adaption der Geschichten aus dem britischen Königshaus hat Georg Seesslen 2012 in der Zeit geschrieben. In seinem Artikel geht er unter anderem darauf ein, warum die Filme über die britischen „Royals“ ein Genre nach eigenen Regeln bilden. Um die verstorbene Princess of Wales geht es im viel gescholtenen Melodrama „Diana“ (Regie: Oliver Hirschbiegel), in dem eine kurze Episode aus dem Leben der Prinzessin erzählt wird, nämlich ihre Beziehung zu einem Herzchirurgen pakistanischer Herkunft. Um eine Frau, die in ein Königshaus eingeheiratet hat – in den Boulevardmedien wird das gerne als wahr gewordener Traum dargestellt – geht es demnächst außerdem in „Grace of Monaco“ (Regie: Olivier Dahan). In der im Film erzählten Episode aus dem Leben der ehemaligen Schauspielerin Grace Kelly ist diese an der Seite ihres königlichen Gatten in die diplomatischen Schwierigkeiten zwischen Frankreich und Monaco verwickelt, während gleichzeitig Alfred Hitchcock versucht, sie nach Hollywood zu locken. Ob eine solche Konfliktsituation eine sehenswerte Geschichte ergibt, lässt sich  2014 in den Kinos überprüfen.

Thoughts in Progress: Zu Authentizität und Fiktionalisierung
Um die Frage, wie viel Fiktion bei der Adaption von wahren Geschichten erlaubt ist, ging es hier schon im Zusammenhang mit den diesjährigen Oscarpreisträgern „Argo“, „Zero Dark Thirty” und „Lincoln“. Filme, die den Anspruch erheben, politische oder historische Ereignisse adäquat wiederzugeben, werden mehr mit Authentizitätsprüfungen zu rechnen haben, als Filme, die spektakuläre Ereignisse zur massentauglichen Unterhaltung in die entsprechenden Genres verpacken. Ob die Geschichten von wahr gewordenen Prinzessinenträumen authentisch sind, dürfte wenig Menschen interessieren, eine möglichst wahrheitsgetreue Darstellung von wichtigen historischen Ereignissen dagegen ist vielen Zuseher/inne/n ein Anliegen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass bei der Authentizitätskritik an Geschichten über die Pioniere der Internet-Ära nicht die Kritiker/innen am lautesten sind. Äußerst vehement mischen sich hier die Betroffenen oder ihre Wegbegleiter ein. Nachdem sich schon Steve Wozniak enttäuscht über die Ungenauigkeiten in „jOBS“ (Regie: Joshua Michael Stern) geäußert hatte, haben sich jetzt auch andere gewichtige Apple-Mitarbeiter zu Wort gemeldet. Auf einem Panel (Video) gingen Daniel Kottke und Andy Hertzfeld Szene für Szene von „jOBS“ auf Abweichungen von den Fakten durch. Auch an „Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt“ (Originaltitel: „The Fifth Estate“; Regie: Bill Condon) nach der Vorlage des ehemaligen WikiLeaks-Sprechers Daniel Domscheit-Berg wurde von WikiLeaks-Gründer Julian Assange schon lange vor dem Kinostart Kritik geübt. Kürzlich wurde nun ein Brief veröffentlicht, in dem der umstrittene WikiLeaks-Gründer Schauspieler Benedict Cumberbatch bat, aus dem Projekt auszusteigen. tbc

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