//
du liest...
Adaption, Trend

Zeitloser Trend: Spektakuläre und fantastische Geschichten

Derzeit wird heftig darüber lamentiert, dass es im Kino kaum noch Filme zu sehen gibt, die auf Originaldrehbüchern basieren. Zwar gibt es außerhalb des US-amerikanischen Studiosystems unüberschaubar viele originäre Filmgeschichten, der Trend zur Adaption von Literatur, Comics und Videospielen inklusive Fortsetzungspraxis ist aber zumindest für die Blockbuster-Industrie hinlänglich – unter anderem in einer Infografik mit der Überschrift „Hollywood’s Waning Creativity“ – belegt worden. Hierbei handelt es sich allerdings keineswegs um ein neues Phänomen. Schon frühe Werke der Filmgeschichte basierten häufig auf literarischen Vorlagen, insbesondere gilt das für Filme in den Unterhaltungsgenres (Action/Adventure, Science-Fiction, Horror und Monster-Movie), man erinnere sich zum Beispiel an den Sci-Fi-Film „Le Voyage dans la Lune“ (1902, Georges Méliès nach Werken von Jules Verne und H. G. Wells), die Horror-Filme „Frankenstein“ und „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ oder etwa auch an den Sci-Fi-Film „Metropolis“, der 1927 von Fritz Lang nach einem Buch seiner damaligen Ehefrau Thea von Harbou inszeniert wurde.

Es war aber nicht nur üblich, dass sich die junge Filmkunst literarischer Vorlagen bediente, es war auch Praxis, beliebte Charaktere und Stories wiederholt aufzugreifen. Von der Erzählung „The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ (1886) gab es zum Beispiel Ende 1920 bereits acht Adaptionen (heute über 123). 1908 unternahm Otis Turner in einem 16-minütigen Kurzfilm den ersten Versuch einer Umsetzung. 1920 sind unter anderem eine Version von John S. Robertson, die sich der Spielfilmlänge annäherte oder etwa auch „Der Januskopf“ von F. W. Murnau (107 Minuten) erschienen.

Auch Mary Shelleys Horror-Story „Frankenstein“ (1818) ist vielfach adaptiert worden, zum ersten mal 1910 von James Searle Dawley in einem 13-minütigen Kurzfilm. 1931 führte James Whale dann bei jener 71-minütigen Adaption Regie, die Boris Karloff als Frankensteins Monster berühmt gemacht hat. Whale und Karloff waren wenig später auch beim Sequel „Bride of Frankenstein (1935, 75 Minuten) mit von der Partie. Diesem Film folgten „Son of Frankenstein“ (1939, 99 Minuten), „The Ghost of Frankenstein“ (1942, 67) und die Universal-Reihe, in der Frankenstein, Wolf Man und Dracula aufeinander treffen (1942–1948: „Frankenstein Meets the Wolf Man“, „House of Frankenstein“, „House of Dracula“ und „Abbott and Costello Meet Frankenstein“). Diese Art von Film-Mash-Up bzw. Crossover ist also im Kino fast genauso alt wie der Vampir: Die literarische Figur des Dracula nach Bram Stoker wurde seit 1922 vielfach adaptiert.

Um eine originäre Filmfigur handelt es sich dagegen beim wohl bekanntesten Monster der Filmgeschichte. Der von Merian C. Cooper erschaffene King Kong tauchte 1933 im gleichnamigen Film (Regie: Merian C. Cooper, Ernest B. Schoedsack) zum ersten Mal auf der Leinwand auf und verwüstete offensichtlich zum großen Vergnügen seines von der Großen Depression geprüften Publikums NYC. Das Sequel „The Son of Kong“ erschien noch im selben Jahr. „Mighty Joe Young“ erschien 1949 und über ein weiteres Jahrzehnt später trafen „King Kong vs. Godzilla“ (1962) in einer japanischen Produktion aufeinander. Dies war bekanntlich nicht der letzte Auftritt des Riesenaffen. Als letztes Beispiel wird hier der Horror-Sci-Fi-Film „The Invisible Man“ (1933, Regie: James Whale) angeführt. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman (1897) von H. G. Wells. Dem erfolgreichen Film sind zahlreiche Sequels und Spin-Offs gefolgt: „The Invisible Man Returns“ (1940), „The Invisible Woman“ (1940), „Invisible Agent“ (1942) and „The Invisible Man’s Revenge“ (1944).

Adaptionen, Remakes, Reboots, Sequels, Prequels und Spin-Offs gibt es also schon so ziemlich seit Anbeginn der Filmgeschichte. Im Vergleich mit den aktuellen Genre- und Story-Trends in Hollywood (Fantasy-Filme, Comic-Adaptionen und Animationen) lässt sich feststellen, dass kommerziell erfolgreiche Franchises heute wie damals bevorzugt auf fantastische Figuren und Plots aufbauen. Von hier ist es nicht weit zur Schlussfolgerung, dass eskapistische und spektakuläre Filmereignisse zeitlos beliebt sind. Diese Beliebtheit dürfte lediglich Schwankungen unterliegen, die einerseits mit gesellschaftlichen Zuständen und den Bedürfnissen der Menschen nach Ablenkung und kathartischen Erlebnissen und andererseits mit der Entwicklung neuer Filmtechnologien in Zusammenhang stehen.

Related Article:
epd Film: „King Kong“: Ein Klassiker und seine Deutungsgeschichte

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bookmark and Share

Enter your email address to subscribe to this blog and receive notifications of new posts by email.

Fun