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Trend: Mini-Serie [Updated]

Überblick über aktuelle Mini-Serien
Zuletzt hat eine Reihe von Serien Aufmerksamkeit erregt, die unter dem Label Mini-Serie zusammen gefasst werden können, dazu gehören „The Fall“ (5 Folgen, Irland/UK), „Rectify“ (6 Folgen, USA), „Top of the Lake“ (7 Folgen, Australien/UK/USA) oder etwa auch „Broadchurch“ (8 Folgen, UK). Warum die Briten hier auffällig präsent sind, darum wird es später noch gehen.
Wann es sich bei einem Format um einen Mehrteiler, eine Mini-Serie (gelegentlich auch als limited series bezeichnet) oder eine Serie handelt, kann an anderer Stelle nachgelesen werden. Dieser Artikel gibt einen Überblick über aktuelle, im folgenden Mini-Serien genannte Formate, die Geschichten über 4 bis 8 Episoden spannen, einige auch über mehrere Staffeln. In Zusammenhang damit wird es um länderspezifische Programmschemata und Traditionen gehen. Abschließend werden einige Überlegungen zum Potential von Mini-Serien angestellt (Comedy-Formate, die tendenziell mehr Episoden haben und in diesem Format seltener vorkommen, werden hier nicht berücksichtigt).

USA
Drama-Serien auf US-Kabelsendern („Mad Men“, „Breaking Bad“ & Co) haben in der Regel zwischen 10 und 13 Folgen, Formate auf den Network-Sendern haben häufig bis zu 24 Folgen (zum Beispiel Krimi-Formate wie „Cold Case“, „Without a Trace“, „The Mentalist“, aber auch Medicals wie „Grey’s Anatomy“ oder Mystery-Drama-Serien wie „Once Upon a Time“). Allerdings könnte sich die diesbezügliche Strategie der Network-Sender ändern, zum Beispiel entwickelt NBC derzeit vier Mini-Serien.
Netflix, der Marktführer unter den Streamingdiensten folgt in Bezug auf die Episodenanzahl seiner ersten Originalserien dem Beispiel der Kabelsender, obwohl das Unternehmen frei von einem Programmkorsett produzieren (lassen) könnte. Sowohl die Polit-Drama-Serie „House of Cards“, als auch die Horror-Serie „Hemlock Grove“ und die viel gelobte Drama-Serie „Orange is the New Black“ haben je 13 Folgen. Das Comedy-Reboot „Arrested Development“ kommt auf ein paar mehr. Dass ein Unternehmen, das dem Begriff Binge-Programming zum Durchbruch verholfen hat, seine Programmspielräume in Bezug auf die Episodenanzahl derzeit noch ungenutzt lässt, dürfte unter anderem damit zu tun haben, dass höhere Episodenanzahlen wirtschaftlicher sind und dass sich Serien mit dieser gängigen Episodenanzahl leichter an Sender in Übersee verkaufen lassen.
Im Vergleich zu den eben erwähnten Serien hält sich die Zahl der US-Mini-Serien in Grenzen, Interessantes bringt gelegentlich der Pionier des Qualitätsfernsehens hervor: HBO beauftragte zum Beispiel „Generation Kill“ (7 Folgen, 2008) über die 2003er Irak-Invasion oder etwa auch die Serie über den US-Präsidenten „John Adams“ (7 Folgen, 2008). Mini-Serien haben auch dem Sundance Channel erste Erfolge in der Sparte fiktionaler Originalprogrammierung beschert. Der Sender ist nicht nur für die herausragende Serie „Rectify“ (6 Folgen) verantwortlich, sondern auch in die internationale Ko-Produktion der viel gelobten 6-teiligen Serie „Top of the Lake“ (Regie: Jane Campion) involviert.

UK
Eine lange Tradition hat die Mini-Serie dagegen bekanntlich in Großbritannien (wo sie allerdings nicht so genannt wird), dort haben sogar Sitcoms nicht selten 6 Episoden (z. B. „The Inbetweeners„, „The IT Crowd“). Bekannt ist die britische Mini-Serie zum Beispiel dafür, dass mit ihr britische Literaturklassiker als period pieces auf den Bildschirm gebracht werden. Um diese Tradition, deren Potential sowie deren Grenzen ging es am Beispiel der Drama-Serie „Parade’s End“ (nach einer Roman-Reihe von Ford Madox For aus den 1920er Jahren) vor einiger Zeit in einem Artikel des New Yorker. Viel beachtete Produktionen neueren Datums sind allerdings eher in populären Genres zu finden. Das preisgekrönte Detektiv-Drama „Sherlock“ (3 Folgen pro Staffel, seit 2010) ist zwar die Adaption einer literarischen Figur der vorletzten Jahrhundertwende, allerdings eine aktualisierende, die in der Gegenwart angesiedelt und mit moderner Technik und Mystery-Elementen angereichert ist. Andere Beispiele sind das Sci-Fi-Drama-Serie „Black Mirror“ (3 Folgen pro Staffel, seit 2011), das Thriller-Format „The Fear“ (4 Folgen, 2012), die neuen Drama-Serien „Southcliffe“ und „Run“ (je 4 Folgen, 2013), das Crime-Drama „The Fall“ (5 Folgen, 2013), die Drama-Serie„The Hour“ (6 Folgen pro Staffel, 2010-2011), die vielfach ausgezeichneten Mystery-Drama-Serien „The Fades“ (6 Folgen, 2011) und „Misfits“ (6 – 8 Folgen pro Staffel, seit 2009), das Teen-Drama „Skins“ (6 – 10 Folgen pro Staffel, seit 2007), die Hebammenserie „Call the Midwife“ (6 Folgen pro Staffel, seit 2012) oder etwa auch die Drama-Serie um die Krankenpflegerin „Frankie“ (6 Folgen, 2013).
Um den Zusammenhang der viel gepriesenen hohen Qualität britischer Serien mit der tendenziell niedrigen Episodenanzahl ging es kürzlich in einem Artikel unter der Überschrift „Warum haben britische Serien nicht mehr Folgen?“. In dem Artikel geht es unter anderem um die Mäkeleien internationaler Einkäufer an den geringen Episodenanzahlen ansonsten attraktiver britischer Serien. Dass zuletzt viele ihrer Serien für den US-amerikanischen Markt adaptiert wurden (u. a. die 4-teilige BBC-Serie „House of Cards“), dürfte die britischen Serienmacher/innen jedoch in ihrer Beharrlichkeit bestätigen.

Dänemark, Schweden
Dass hohe Qualität bei geringen Budgets nicht nur durch eine drastische Reduktion der Episodenanzahl zu erreichen ist, beweisen einige skandinavische Serien. Das viel gepriesene Polit-Drama „Borgen“ (Dänemark, seit 2010) hat jeweils 10 Episoden. Die erste Staffel der vielfach ausgezeichneten Serie „Forbrydelsen“ (Dänemark/Deutschland, seit 2007; dt. Titel: „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“, US-Remake: „The Killing“) besteht sogar aus 20 einstündigen Episoden. Die ebenfalls gerade für das US-amerikanische Fernsehen adaptierte Ko-Produktion „Die Brücke -Transit in den Tod“ (Dänemark/Schweden, seit 2011; schwedischer Titel: „Bron“; dänischer Titel: „Broen“; US-Remake: „The Bridge“) umfasst wie „Real Humans“ (Schweden, 2012) 10 Episoden.
Über das dänische Serienwunder wird seit einiger Zeit viel geschrieben (Drama Blog, Die Zeit). In einem Artikel in Le Monde (dt. Übersetzung) ging es darum, wie wichtig eine unabhängige und starke Position der Drehbuchautor/inn/en bei der Entwicklung einer Serie ist und darum, welches hausgemachte Writer’s-Room-Modell den Dänen zum Erfolg verholfen hat. Über das schwedische Serienwunder wurde bisher weniger geschrieben. Wenn man aber obige Produktionen und Genres in Augenschein nimmt, kann man zum Schluss kommen, dass die schwedischen Erfolge nicht unabhängig von den dänischen Fernsehserien einerseits und von der schwedischen Krimi-Literatur andererseits zu sehen sind. So war etwa die Adaption der Millenium-Trilogie von Stieg Larsson ursprünglich als Mini-Serie für das Fernsehen angelegt. Nachdem die Reihe um Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist erfolgreich im Kino gelaufen war, wurde die längere Fassung dann als 6-Teiler im Fernsehen ausgestrahlt. Ein anderes Beispiel für eine Krimi-Adaption ist „Death of a Pilgrim“ (Originaltitel: „En pilgrims död“, 2013). Die 4-teilige Drama-Serie, in der es um die Ermordung des schwedischen Premierministers Olof Palme im Jahr 1986 geht, sollte demnächst auch außerhalb Schwedens zu sehen sein. Aus Dänemark gibt es in Bezug auf die Mini-Serie derzeit wenig Neuigkeiten, eine der bekanntesten bleibt weiterhin die Kultserie „Geister“ von Lars von Trier, von der insgesamt elf Episoden produziert wurden (Staffel 1, 1994; Geister 2, 1997).

Deutschland, Österreich
In Deutschland sind Mehrteiler ein beliebtes Format. Um 90-Minüter handelt es sich zum Beispiel bei dem im Frühjahr 2013 kontroversiell besprochenen Drei-Teiler „Unsere Mütter, unsere Väter“. Aber auch für die Mini-Serie gibt es jüngere Beispiele, so haben die bisher produzierten 2 Staffeln der vielgepriesenen Serie „Weissensee“ (seit 2010) jeweils 6 Folgen. Der Kurzgeschichtenband „Verbrechen“ wurde in ebenfalls 6 45-minütigen Folgen für den Bildschirm adaptiert. Die vor allem bei der Filmkritik beliebte Crime-Drama-Serie „Im Angesichts des Verbrechens“ von Dominik Graf kam 2010 auf 10 Episoden. Als Mini-Serie kann auch die deutsch-kanadische Ko-Produktion „Die Säulen der Erde“ gesehen werden. Die Adaption des gleichnamigen Follett-Romans wurde 2010 in den USA in 8 Teilen und in Deutschland und Österreich in 4 Teilen ausgestrahlt.

Braunschlag

Braunschlag

Die österreichische Serienproduktion wird – wie etwa auch die dänische und schwedische – von Krimi-Formaten dominiert. Länger laufende Serien wie zum Beispiel „Soko Kitz“ (13 Episoden pro Staffel, seit 2001) und „Soko Donau“ (zwischen 13 und 16 pro Staffel, seit 2005) gehören zu den Serien mit einer höheren Episodenanzahl. Neuere Krimi-Formate wie etwa  „Schnell ermittelt“ (zwischen 8 und 12 pro Staffel, seit 2008) und „CopStories“ (10 Folgen, seit 2012) kommen auf etwas weniger. „Vier Frauen und ein Todesfall“ (6 – 10 Folgen, seit 2005) ist zuletzt ganz deutlich im Bereich der Mini-Serie angelangt. Abseits des Krimi-Genres hat 2012 die schwarze Komödie „Braunschlag“ (8 Folgen) für Aufsehen gesorgt. Voraussichtlich im Herbst geht unter dem Titel „Janus“ das 7-teilige Verschwörungsdrama um einen forensischen Psychologen auf Sendung. In Anbetracht aktueller Produktionen aber auch mit Blick auf Klassiker der österreichischen Serienproduktion von „Ein echter Wiener geht nicht unter“ bis „Alpensaga“ kann man sagen, dass der Übergang zwischen Reihen, Mehrteilern und Serien hierzulande fließend ist.

Potential der Mini-Serie
Anders als in UK hat sich in Österreich in Bezug auf die Episodenanzahl also keine „Tradition“ herauskristallisiert. Gemeinsam ist Österreich und UK aber zum Beispiel eine Tradition in der Adaption literarischer Werke, wenn auch in Österreich daraus weniger Mini-Serien entstanden sind. Was Österreich im Vergleich zu Großbritannien und anderen Ländern außerdem vermissen lässt, sind Polit-Serien. Im Vergleich lässt sich auch sagen, dass die Briten weitaus experimentierfreudiger sind, was das Genre angeht.
Ob der deutschsprachige Markt den Trend zur Mini-Serie nutzen kann, bleibt abzuwarten. Da dieser Trend aber eine Chance für budgetär schwächer ausgestattete europäische Produktionsländern sein könnte, gilt es zu überprüfen, ob es ein unausgeschöpftes Reservoir an literarischen Vorlagen oder etwa auch Polit-Stories gibt, deren sich die Mini-Serie hierzulande bedienen könnte.

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