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Serien: Über Brücken, Übergänge und Überläufer [Updated]

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Aus Anlass der kürzlich vergebenen Emmys gibt es hier wieder einmal ein Update zu neuen herausragenden US-Serien, wir halten uns aber nicht mit den üblichen Verdächtigen aus der Ad- und Meth-Welt auf („Mad Men“, „Breaking Bad“ & Co.), sondern richten den Fokus auf Serien, die (noch) nicht mit Emmy-Statuetten bedacht wurden.

„Rectify“ – Nicht von dieser Welt
Bei den Emmy Awards leer ausgegangen ist die Drama-Serie „Rectify“, deren Entwicklung 2008 bei AMC begonnen und die dann an den Sundance Channel (AMC Networks und Showtime Networks) weiter gereicht wurde. Schöpfer der 6-teiligen Drama-Serie ist der Schauspieler Ray McKinnon („Deadwood“, „Sons of Anarchy“). In der Miniserie geht es um Daniel Holden, der als Teenager wegen Vergewaltigung und Mord in die Todeszelle geschickt wurde und nun nach 20 Jahren aufgrund neuer DNA-Beweise freigelassen wird. Für seine Enthaftung ist nicht zuletzt das Engagement seiner Schwester verantwortlich, aber auch der Rest der Familie (mit einer Ausnahme) legt sich ins Zeug, um dem schwer geprüften Mann die Rückkehr ins Leben zu erleichtern. Die Dramen, die sich dabei abspielen, sind herzerweichend. Der Mann, der schon als Jugendlicher vom Bild des All-American Boy auffällig abgewichen sein dürfte, hat sich in der Todeszelle nicht nur eine gute Menschenkenntnis, sondern auch viel Wissen und eine prophetische Aura angeeignet. Das macht ihn zu einer geeigneten Projektionsfläche für allerlei „Spinner“, unter anderem auch solche, die ihm helfen in einem Leben Fuß zu fassen, das für ihn zuallererst unberechenbar ist. Abgesehen von den Beziehungsdramen sorgt die Frage nach der Unschuld von Daniel für Spannung. Daran zweifeln nämlich nicht nur Menschen, die ihn aus pragmatischen Gründen wieder hinter Gitter sehen wollen. Auf äußerst interessante Weise wird demzufolge im Verlauf der Staffel damit gespielt, wer alternativ der Täter sein könnte. Über die Lösung des Rätsels wird hier nur soviel verraten: Staffel 2 ist bereits in Arbeit.

„The Americans“ – Jeder belügt jeden
Bei der zweiten Serie, die bei den Emmys unverdienterweise leer ausgegangen ist, handelt es sich um das historische Spy-Drama „The Americans“ des Senders FX („The Shield“, „Damages“, „Sons of Anarchy“). Die vom ehemaligen CIA-Agenten Joseph Weisberg entwickelte Serie erzählt vom Ehepaar Elizabeth und Phillip Jennings, das in den 80er Jahren mit zwei Kindern in Washington DC lebt und dort eine Reiseagentur betreibt. Hinter dieser unverdächtigen Fassade stecken zwei KGB-Spione und – wie sich im Verlauf der Serie herausstellen wird – zwei hoch qualifizierte und äußerst effiziente obendrein. Zu Beginn der Serie bekommen die Jennings neue Nachbarn. Das ist nicht allzu erfreulich, denn deren Versorger, Stan Beeman, jagt im Auftrag des FBI ebenso qualifiziert russische Spione. Stan ist aber das kleinere Problem der Jennings, denn er lässt sich ablenken. Bedrohlicher ist, dass sich der Kalte Krieg verschärft und die Arbeit von KGB-Agenten deswegen gefährlicher wird und sich im Fall der Jennings immer schwerer vor den eigenen Kindern verheimlichen lässt. Es geht auch in dieser Serie wieder einmal um moralisch ambivalente Figuren, wobei die gehirngewaschene Elizabeth Jennings, die aus tiefster Überzeugung kaltblütigst KGB-Aufträge ausführt, sich zunächst durchaus als Hassobjekt eignet. Ihr Mann dagegen steckt in einem zutiefst mitleiderregendem emotionalen und moralischen Dilemma. Dass seine Loyalität für die Familie dem KGB dermaßen gegen den Strich geht, das immer mal wieder dagegen intrigiert wird, ist nur eines seiner Probleme. Abgesehen von der vielschichtigen Plotspannung und den moralischen Fragen, mit denen die Serie ihre Zuschauer/innen beschäftigt, geht es auf einer tieferen emotionalen Ebene um eine Paarbeziehung (die scheinbare Zweckehe), in der Zuneigung und Wertschätzung ungleich verteilt sind. Die Schwächen der Serie liegen jedenfalls nicht im Storytelling, sondern vielmehr in der visuellen Umsetzung (allem voran Kostüm und Ausstattung), die nicht unabhängig von den Kosten für ein actiongeladenes Period-Drama zu sehen sind. Da die zweite Staffel von „The Americans“ bereits beschlossene Sache ist, darf man darauf gespannt sein, ob das Potential der Serie trotz der budgetären Beschränkungen ausgeschöpft werden wird.

„Orange is the New Black“ – Die wahre Geschichte
„Orange is the New Black“ könnte bei den Emmys 2014 abräumen. Bei der Drama-Serie handelt es sich nach dem Political Thriller „House of Cards“, der Horrorserie „Hemlock Grove“ und dem Comedy-Reboot „Arrested Development“ um die vierte originale Netflix-Serie. Während „House of Cards“ noch in erster Linie für Schlagzeilen sorgte, weil es die erste Serie war, die auf Netflix als Gesamtpaket zum Streaming bereitgestellt wurde, hat „Orange is the New Black“ in den Medien vor allem mit guten Kritiken auf sich aufmerksam gemacht. In der von Jenji Kohan („Weeds“) entwickelten Serie geht es um Piper Chapman, eine junge Frau aus wohlgeordneten Verhältnissen, die für ein Vergehen in ein Frauengefängnis gesteckt wird, das sie in einem früheren Leben (d. h. ca. 10 Jahre früher) begangen hat. Die Serie beruht auf der wahren Geschichte von Piper Kerman. Nach der HBO-Pionierserie „Oz“ und der Erfolgsserie „Prison Break“ (Fox) wird in „Orange is the New Black“ nun also der Alltag weiblicher Häftlinge in Szene gesetzt. Das passiert zwar nicht zum ersten Mal, aber zuvor waren es immer Seifenopern, die sich des Settings bedient haben (zum Beispiel „Prisoner“ oder etwa auch die deutsche Produktion „Hinter Gittern – Der Frauenknast“). [Update vom 12.09.2013: NBC Nabs Futuristic Prison Drama From Seth Grahame-Smith & Greg Berlanti With Put Pilot Commitment]

„The Bridge“ – Das Remake
Eine andere Serie, die seit ihrer Premiere am 10. Juli 2013 häufig positiv besprochen wurde, ist „The Bridge“ (Showrunner: Elwood Reid, Meredith Stiehm, FX). Hierbei handelt es sich um das Remake der europäischen Ko-Produktion „Die Brücke – Transit in den Tod“ (schwedischer Titel: „Bron“, dänischer Titel: „Broen“; Schweden/Dänemark/Deutschland 2011). Im Original wurde auf der Öresundbrücke – exakt auf der Grenze zwischen Schweden und Dänemark – eine Leiche gefunden. Kommissar Rohde von der Kriminalpolizei Kopenhagen und Kommissarin Norén von der Kriminalpolizei Malmö mussten bei der Lösung des Falls zusammenarbeiten. Während die Story im Original in 10 Episoden (60 Minuten) erzählt wurde, sind es im US-amerikanischen Remake 13 Episoden (30 – 40 Minuten). Die Leiche kommt diesmal auf einer Brücke zwischen Ciudad Juárez (Mexiko) und El Paso, Texas (USA) zu liegen. Die Hauptrolle konnte sich Diane Kruger ergattern, womit nach Franka Potente („Copper“) und Sibel Kekilli („Game of Thrones“) eine weitere deutsche Schauspielerin in einer US-amerikanischen Qualitätsserie mitspielt, diesmal sogar in der Hauptrolle. Eine englisch-französische Adaption der Serie mit dem Titel „The Tunnel“ wird voraussichtlich 2014 im TV zu sehen sein. In dieser Adaption wurde die Handlung in den Eurotunnel verlegt.

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