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Trend: Mit Big Data zur ultimativen Drehbuchformel?

„Scriptnotes“ von Statistiker/innen

Die Suche nach der erfolgversprechenden Drehbuchformel ist wahrscheinlich so alt wie das Kino. Nachdem sie schon länger in Ratgeberliteratur kundgetan wird und seit einiger Zeit auch mit Hilfe von Storytellingsoftware anwendbar ist, soll sie jetzt in „Big Data“ zu finden sein. Zuletzt ist es in Zusammenhang mit „House of Cards“, der ersten originalen Netflix-Serie, schon um die Nutzung von Daten gegangen. Angeblich wurden David Fincher und Kevin Spacey in einem Polit-Thriller zusammen gesponnen, weil man aus dem Klickverhalten der Netflix-Nutzer/innen wusste, dass es sich hier um erfolgversprechende „Zutaten“ handelt. Auch Google hat in der Filmindustrie ein Geschäftsmodell für sich ausgemacht: Angeblich können die Suchmaschinenbetreiber aus ihren Daten mit 92%-iger Sicherheit den Box-Office-Erfolg eines Films an seinem Startwochenende prognostizieren. Kürzlich ging es nun in einem Artikel der New York Times um den ehemaligen Statistik-Professor Vinny Bruzzese, der für 20.000 $ eine auf Daten basierende „Drehbuchevaluierung“ anbietet. Bruzzese und ein Team von Analysten stützen sich dabei unter anderem auf eine Datenbank mit Informationen zu Fokusgruppen ähnlicher Filme. Auf Grund dessen werden auf 20 bis 30 Seiten Empfehlungen für die Drehbuchüberarbeitung gegeben. Für Drehbuchautor/inn/en mit künstlerischen Ansprüchen wird hiermit ein Alptraum beschrieben. Dass solchermaßen zustande gekommene Filme sich nicht durch inhaltliche oder dramaturgische Innovation auszeichnen dürften, liegt auf der Hand, aber dazu wurden sie weder erdacht, noch sollen sie dazu genutzt weren. Eine kapitalintensive Industrie erhofft sich ein Tool zur Effizienzsteigerung und Profitmaximierung. So weit so gewöhnlich. Außerdem: zu dieser Industrie gehören auch Autor/inn/en, die sich anpassen. Die Ursachen und Wirkungen solcher Entwicklungen wurden in letzter Zeit wiederholt von prominenter Seite erläutert, unter anderem haben kürzlich Steven Spielberg und George Lucas über das Ende der Kinokultur wie wir sie kennen, lamentiert. Ob unter den Drehbuchautor/inn/en die Erwartungen an oder das Unbehagen über solche Entwicklungen überwiegt, wird an dieser Stelle offen gelassen, John August und Craig Mazin haben sich im Scriptnotes Podcast Episode #88 jedenfalls kritisch über die Dienstleistung von Bruzzese geäußert (Transcript).

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