//
du liest...
Adaption, Literaturadaption

Literaturadaption: The Great Gatsby

Improve readability!

F. Scott Fitzgerald begann mit der Planung seines bekanntesten Romans im Juni 1923. Über sein Vorhaben soll er geäußert haben: „I want to write something new – something extraordinary and beautiful and simple and intricately patterned.“ Die mäßigen Verkaufszahlen von „The Great Gatsby“ und die durchwachsenen Kritiken nach der Veröffentlichung 1925 dürften den Romancier gehörig enttäuscht haben. Auch die positiv gestimmten Kritiker/inne/n vertraten nicht die Meinung, dass es sich bei „Gatsby“ um ein unverzichtbares Werk handle. Laut Fitzgerald haben die Kritiker/innen, die enthusiastischen eingeschlossen, allerdings auch nicht die geringste Ahnung gehabt, worum es im Buch überhaupt gehe. Obwohl „Gatsby“ vom Verleger gut behandelt wurde und Verfechter und Fans in der Autorenszene fand, verstarb Fitzgerald 1940 im Glauben mit „The Great Gatsby“ gescheitert zu sein. Warum das Buch dennoch zum Klassiker wurde, darüber gibt es viele Erzählungen. Eine hat der Fitzgerald-Biograf Arthur Mizener unter dem Titel „Gatsby, 35 Years Later“ in der New York Times aufgeschrieben. Eine spannende Facette enthält uns dieser Artikel aber vor: Die Popularität des Buches bekam einen ordentlichen Schub, nachdem 1942 155.000 Ausgaben an US-Soldaten in Übersee ausgegeben wurden. Unter diesen war das Buch ein Hit. Das hat nicht nur die Verkaufszahlen in die Höhe getrieben und ein Fitzgerald-Revival ausgelöst, sondern spielte in der Konsequenz vielleicht auch eine Rolle auf dem Weg zu einer Neubewertung des Romans – welche bekanntlich dazu geführt hat, dass „The Great Gatsby“ zur Schullektüre avancierte.

Adaptionen
Dieser Hintergrund ist für die Betrachtung der „Gatsby“-Adaptionen insofern relevant, als deutlich wird, dass der Roman seine Story nicht gerade auf fesselnde Weise entfaltet und dass seine Bedeutung (wenigstens für die damaligen Rezipient/inn/en) nicht auf den ersten Blick erkennbar ist (US-Soldaten ausgenommen).
Die Geschichte der Gatsby-Adaptionen ist (fast) so alt wie der Roman, aber eine gelungene Adaption steht auch nach 2013 noch aus. Wie immer, wenn es um die Adaption eines Klassikers geht, finden sich Kritiker/innen, denen es bei der Umsetzung an Werktreue mangelt. Zwar werden auch hier Adaptionen hoch geschätzt, denen es gelingt den Geist (oder die Seele) oder etwa auch formale Aspekte einer literarischen Vorlage in die filmische Form zu übertragen, Adaptionen werden aber dennoch zuerst im Hinblick darauf betrachtet, was sie als filmisches Werk zu leisten vermögen.

„The Great Gatsby“ von Baz Luhrmann
Baz Luhrmann, der mit der aktualisierenden Adaption von „William Shakespeares Romeo & Julia“ (1996) einen Box-Office-Erfolg (weltweit 147 Millionen $ bei einem Produktionsbudget von 14,5 Millionen $) verbuchen konnte, hat es mit „Gatsby“ etwas schwerer: Um in die Gewinnzone zu kommen, muss „Gatsby“ angeblich schätzungsweise 300 Millionen $ einspielen, was darauf schließen lässt, dass die Marketingkosten für den Film die Produktionskosten von 105 Millionen $ sogar noch überschritten haben könnten. Von der 300-Millionen-Grenze ist der Film zum derzeitigen Zeitpunkt mit dem weltweiten Einspielergebnis von 200 Millionen $ (Stand 28.05.2013) noch ein gutes Stück entfernt.

Der Australier Luhrmann zählt nicht zu den Regisseuren, die sich mit jedem Film von einer neuen Seite zeigen. Schon mit „Romeo + Juliet“ (1996) hat er auf einen Klassiker der Literaturgeschichte zurückgegriffen und ihn mit Leonardo DiCaprio besetzt. In „Strictly Ballroom“ (1992) und „Moulin Rouge!“ (2001) konnte er sich ausgiebig in der Inszenierung von Tanzspektakeln üben und last but not least: schon vor „Gatsby“ wurden für seine Filme Soundtracks produziert, die Spuren in der Popkultur hinterlassen haben. Take a break:

Glanz und Glitter in 3D
Als Luhrmann-Film erkennbar ist diese „Gatsby“-Adaption selbstverständlich auch an der Dichte von audiovisuellen Effekten. Für seinen eskapistischen Ansatz bei der Adaption des Klassikers ist er verbal gestreichelt und geschlagen worden. An dieser Stelle ist man geneigt, die opulente Inszenierung als legitimen Ansatz gelten zu lassen. Vielfach kritisiert wurde, dass Luhrmann bei der Adaption der Story der Mut verlassen habe. Diese halte sich zu sehr an den Roman und sei daher langweilig. Zwar sind Skrupel im Umgang mit einer dermaßen bedeutenden Vorlage verständlich – Filmemacher/innen wurden schon dafür geprügelt, dass sie weniger gewichtige Vorlagen als „Rohstoff“ verwendet haben – der Kritik kann man sich aber nur anschließen. Dass „The Great Gastby“ noch nie zur Zufriedenheit der Zuschauer/innen (und Filmkritiker/innen) auf die Leinwand gebracht wurde, hat nicht nur die Meinung gefestigt, dass der Roman eine schwer zu adaptierende Vorlage sei, sondern auch, dass die Story sich nicht als Filmplot eignet.

Herausforderungen ber der Adaption von „Gatsby“
Die Schwierigkeit bei der Adaption ergibt sich nicht etwa aus der elliptischen Form des Romans, denn diese sollte sich mit filmspezifischen Mitteln ohne Weiteres umsetzen lassen. Ein Problem ergibt sich aber möglicherweise aus der Erzählperspektive, nämlich insofern, als dass man, wenn man der Vorlage folgt, den Erzähler Nick Carraway als Hauptfigur am Hals hat (dem nicht zu folgen, hätte weitreichende Konsequenzen für die Story). Bei der Lektüre erfahren und erleben wir die Ereignisse aus Carraways „Sicht“. Wie wir die Backstory durch ihn vermittelt bekommen, ist zwar schon im Roman einigermaßen umständlich, aber dort ist Carraway für die Themen des Films (der American Dream wird in der Rezeption häufig genannt) eine unentbehrliche Figur. Im Roman schadet es der Figur nicht, dass sie passiv ist, dass sie keinen äußeren Konflikt hat und im Schatten (der „Reichen“) steht. Im Roman kommentiert der zwar finanziell bescheiden ausgestattete, aber emphatisch reflektierende Carraway für uns die Ereignisse. Wir entwickeln unsere Sicht auf die Figuren und die Zeit, in der sie leben, mit seinen Beobachtungen. Im Gegensatz dazu steht Carraway im Film als weitgehend nutzloser Beobachter herum. Im Film wird ihm nicht nur die Freundin (im Roman hat er ein Verhältnis mit der Profi-Golferin) genommen, es wird ihm auch eine absurde Rahmenhandlung verpasst. Was immer die Absicht dahinter gewesen sein mag: es funktioniert nicht. Dass es den bisherigen Adaptionen nicht gelungen ist, den Geist des Romans zu übertragen, könnte dann auch damit zu tun haben, dass die Story einem solchen Vorhaben im Weg steht, vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass sich der Geist des Werkes nicht so einfach in einen 90-Minuten-Spielfilm fassen lässt. We keep waiting.

Update vom 25.07.2013: Auf dem noch jungen YouTube-Kanal Thug Notes werden Klassiker der Weltliteratur im Hood-Style vermittelt, zuletzt auch „The Great Gatsby“:

Related Article:
Nick Carraway is gay and in love with Gatsby

Enhanced by Zemanta

Diskussionen

Es gibt noch keine Kommentare.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bookmark and Share

Enter your email address to subscribe to this blog and receive notifications of new posts by email.

Fun