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Adaption, Biografie, True Story

True Stories: Wie viel Fiktion ist erlaubt? [Updated]

Oscarpreisträger in der Authentizitätskritik

Mit der Exekution von Osama Bin Laden im Mai 2011 wurden Regisseurin Kathryn Bigelow und Autor Mark Boal, die zu dem Zeitpunkt bereits an einem Film über den meist gesuchten Mann arbeiteten, von der Wirklichkeit überholt. Aufgrund des sich in Entwicklung befindlichen Projekts und ihres gemeinsamen Erfolgs mit „The Hurt Locker“ war das Duo in einer Pole-Position für den Zugang zu Informationen, die für die Erzählung der in Abbottabad so dramatisch zu Ende gegangenen Geschichte vermutlich unverzichtbar waren. Von da an wurde die Produktion von „Zero Dark Thirty“ von verschiedenen Kontroversen begleitet, denen die unter anderem politischen Hintergründe unschwer anzumerken waren. Diese Kontroversen, in denen ab einem gewissen Zeitpunkt auch die Wahrhaftigkeit der Darstellung angezweifelt wurde, dürften letztlich dazu beigetragen haben, dass die Pole-Position bei den 85th Academy Awards ein anderer Film erreicht hat: Der mit zwölf Nominierungen bedachte „Lincoln“. Ob das letztlich bescheidene Ergebnis für „Lincol“ (Oscar für Bester Hauptdarsteller und Szenenbild) mit einer stichhaltigeren Authentizitätskritik in Zusammenhang steht, die erst kürzlich aufgepoppt ist, kann aus der Ferne nicht beurteilt werden. Als der große Verlierer der 85th Academy Awards kann aber jedenfalls „Zero Dark Thirty“ ausgewiesen werden, welcher lediglich in der Kategorie „Best Sound Editing“ ausgezeichnet wurde. Im Gegensatz dazu konnte der ebenfals auf einer wahren Begebenheit beruhende Spielfilm „Argo“ in drei wichtigen Kategorien Preise verbuchen (Best Picture, Best Adapted Screenplay, Best Film Editing), obwohl auch dieser Film sich zum Zwecke der Dramatisierung einige Freiheiten herausgenommen hat.

Positionen der Debatte
Für Schlagzeilen gesorgt haben kürzlich die Kritiken am WikiLeaks-Film „The Fifth Estate“ und jene am Biopic „jOBS“, wie hier in Zusammenhang mit den wahren Geschichten über Pioniere der Computer- und Internet-Ära bereits nachzulesen war. Die jüngste Kritik von Apple-Co-Gründer Wozniak an der mangelnden Authentizität von „jOBS“ hatte aber noch keinen Aufschrei zur Folge. Auch „Zero Dark Thirty“ hat die Authentizitätsdebatte höchstens ein bisschen zum Lodern gebracht, so richtig entbrannt ist sie eigentlich wegen „Lincoln“ (Autor: Tony Kushner). Der Film wurde von einem Kongressmitglied aus Connecticut kritisiert, weil darin zwei Repräsentanten aus eben diesem Bundesstaat wider den historischen Fakten gegen die Gesetzesänderung zur Abschaffung der Sklaverei gestimmt haben. Richard Walter, Drehbuchprofessor an der UCLA wird in einem Artikel der Huffington Post damit zitiert, dass das möglicherweise schon ein wenig zu weit gehe. In einem Brief, der in einem Blog des Wall Street Journals veröffentlicht wurde, verteidigt sich Autor Kushner damit, dass die Fakten geändert worden seien, um einer größeren Geschichte zu dienen. Es hätte damit gezeigt werden sollen, wie knapp die Entscheidung gewesen ist. Die New-York-Times Kolumnistin Maureen Dowd findet derlei bedenklich und nutzt den Anlass um unter der Überschrift „The Oscar for Best Fabrication“ ihrem angestauten Ärger Luft zu machen und nicht nur die Entscheidung Kushners in Frage zu stellen, sondern auch die Macher/innen von „Argo“ und „Zero Dark Thirty“ für Abweichungen von historischen Wahrheiten zur kritisieren. Im Artikel der Huffington Post kommen auch (betroffene) Drehbuchautoren zu Wort, die einige interessante Anmerkungen zum Thema machen. Dan Futterman („Capote“) zum Beispiel bewertet die Freiheiten, die sich die Filmemacher/innen in „Argo“ genommen haben, als legitim, da schon der Ton des Film darauf hindeutet, dass hier nicht alles ganz ernst genommen werden darf. Zur Kritik an „Zero Dark Thirty“ kommt Autor Marc Boal selber zu Wort. Unter anderem vertritt der die Meinung, dass ein Drehbuchautor nicht nur dem Publikum, sondern auch dem Material verpflichtet sei.

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