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Biografie, Figuren, True Story

True Stories: Helden und Antihelden des digitalen Zeitalters im Film [Updated]

Im November 2011 ging es hier schon einmal am Beispiel von Mark Zuckerberg (Facebook), Sean Parker (Napster), Steve Jobs (Apple), Bill Gates (Microsoft) und Julian Assange (WikiLeaks) um Biopics über Helden und Antihelden der Computer- und Internet-Ära. „The Social Network“ (2010) hatte zu dem Zeitpunkt seine Kino-Tour schon hinter sich, über den soeben verstorbenen Steve Jobs waren bereits mehrere Filme in Planung (u. a. „jOBS“) und das Versteckspiel von Julian Assange hatte einen Höhepunkt erreicht und regte die Fantasie und Kauflust von Produzent/inn/en an. Seitdem hat sich einiges getan.

Der Guru: Steve Jobs

wozniak

wozniak (Photo credit: Revolweb)

Im Januar 2013 hatte das „jOBS“ beim Sundance Film Festival Premiere. Das Biopic mit Ashton Kutcher in der Rolle des Apple-Gründers hat nicht nur Apple-Co-Gründer Steve Wozniak in Rage gebracht, sondern auch Naserümpfen bei den Festivalkritiker/inne/n hervorgerufen. Produziert wurde „jOBS“ von Producer Mark Hulme (Five Star Institute), für den es der erste Ausflug in die Filmindustrie gewesen sein soll. Regie führte Director/Writer Joshua Michael Stern („Swing Vote“). Seitdem die Kunde des angeblich missglückten „jOBS“ im Internet die Runde gemacht hat, sind die Erwartungen an ein anderes Jobs-Biopic wieder gestiegen. Für die Adaption der autorisierten Jobs-Biografie von Walter Isaacson hat nämlich Drehbuchautor Aaron Sorkin längst unterschrieben. Sorkin hat bereits das Drehbuch zum höchst interessanten Drama über den Internet-Aufsteiger Mark Zuckerberg verfasst („The Social Network“). Ob seine Arbeit an einem Jobs-Biopic durch die Unterstützung von Wozniak, der als Berater engagiert wurde, noch besser wird, sei einmal dahin gestellt.

Der Kontroversielle: Julian Assange

Über die geplanten Filme zu Julian Assange und WikiLeaks wurde im März 2011 schon berichtet. Inzwischen hatte das australische Biopic „Underground: The Julian Assange Story“ (nach einem Buch von Suelette Dreyfus) im September 2012 beim TIFF Premiere. Der Kinostart des mit viel größerer Aufmerksamkeit begleiteten Dramas „The Fifth Estate“ (Regie: Bill Condon) ist für November 2013 angekündigt. „The Fifth Estate“ basiert auf einem Buch von Ex-WikiLeaks-Mitglied Daniel Domscheit-Berg (der im Film von Daniel Brühl dargestellt wird) und dem Buch der Guardian-Journalisten Luke Harding und David Leigh. Assange wird darin von Benedict Cumberbatch dargestellt, der auch gerade im Gespräch für die Rolle des für die Computerentwicklung einflussreichen Mathematikers Alan Turing ist. Der echte Assange – der seine Berühmtheit unter anderem einem Mann namens Bradley Manning verdankt – jedenfalls dürfte einer Drehbuchfassung von „The Fifth Estate“ habhaft geworden sein, denn er hat dem Film lange vor seinem Kinostart Propagandaabsichten unterstellt. Was immer da noch kommen mag: Es ist schwer vorstellbar, dass es jemals einen Film über die Enthüllungsplattform geben wird, in dem deren Bedeutung nicht von der Persönlichkeit Assanges und dessen diversen Konflikten überschattet sein wird.

David gegen Goliath: Peter Sunde

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English: Peter Sunde (TPB) Svenska: Peter Sunde (TPB) (Photo credit: Wikipedia)

Während „jOBS“ auf der Berlinale nicht zu sehen war, hatte an der Spree ein Dokumentarfilm Premiere, der gleichzeitig auch im Internet veröffentlicht wurde: „The Pirate Bay – Away From Keyboard“ (Regie: Simon Klose). In dem Film geht es um die Prozesse gegen die weltweit größte Filesharing-Plattform und um jene drei Schweden, die maßgeblich an deren Entwicklung beteiligt waren: Peter Sunde, Fredrik Neij und Gottfried Svartholm. Bisher wurde der Film auf YouTube 1,3 Millionen mal angeklickt und über 6.000 mal kommentiert. Es sind zahlreiche Kritiken zum Film erschienen, unter anderem hat auch TPB-Sprecher Sunde selber eine Review auf seinem Blog gepostet. Dort gibt es zwar weniger Kommentare als auf YouTube, dafür lassen die Kommentarschreiber/innen keinen Zweifel daran, dass sie Sunde gerne als moderenen Robin Hood in einem (Abenteuer)Film verewigt sähen.

Der Borderliner: John McAfee

Zuletzt ist ein anderer Mann, der mit dem Internet reich und berühmt geworden ist, in die Schlagzeilen geraten: Der Antiviren-Pionier John McAfee. Es waren aber weniger die Verdienste um seinen Beitrag zur Digitalisierung der Welt, deretwegen man ihn auf die Cover von Boulevardzeitungen gehoben hat, sondern der Verdacht auf Drogenhandel und Mord. McAfee ist der Älteste aller bisher genannten Computer- bzw. Internet-Entrepreneure. Sein Werdegang ist dann auch ein anderer, als der jener Collegestudenten, die in den berühmten Garagen den Grundstein für unvorstellbare Vermögen gelegt haben. Der 1946 geborene McAfee arbeitete als Programmierer und Software-Architekt nicht nur für die NASA, sondern auch für mehrere Unternehmen, die heute für die Entwicklung von Computertechnologie stehen. Das Unternehmen McAfee Associates, welches es ihm erlaubte Hubschrauberlandeplätze zu bauen, gründete der Mann mit einer langen Suchtvergangenheit erst im Alter von 41 Jahren. Sein Leben, das mit dem Bild einer Achterbahnfahrt am besten beschrieben ist, hat Journalist Joshua Davis für einen Artikel im Wired Magazine recherchiert. Wenig überraschend ist der Artikel bereits von Warner Brothers optioniert und in die Entwicklung geschickt worden.
Die Adaption des Textes darf durchaus als Herausforderung gesehen werden, denn es wird darin eine Lebensgeschichte erzählt, die etwa 50 Jahre umfasst. Die Ereignisse der letzten Jahre  (McAfees gerät in Belize in den Verdacht von Drogenhandel und Mord) bilden den Storyrahmen, um bis zum Selbstmord seines Vaters zurückzugehen (ca. 1961). Was im Artikel gut funktioniert, könnte im Film zu einer Malaise mutieren. Aber nicht nur die Dauer der Geschichte ist eine Herausforderung, sondern auch die Vielfalt der darin enthaltenen Themen. Mit einem Historiendrama ließe sich vielleicht die Entstehung der digitalen Welt erzählen und etwas darüber, welche Rolle exzentrische Pioniere dabei spielten. Es könnte aber auch eine Kriminalgeschichte erzählt werden oder auch die Tragödie eines Mannes, der – wie ein moderner Aguirre – im Dschungel die Kontrolle verliert. Dass für die Adaption der Geschichte zwei Regisseure (Glenn Ficarra und John Requa) verpflichtet wurden, die bisher eher mit Komödien aufgefallen sind, bietet bei der Frage nach dem Fokus der Story jedenfalls keine Orientierung.

To do

Einige spannenden Geschichten stehen noch aus, zum Beispiel von Bill Gates  oder auch Linus Torvalds. Erachtenswert wären auch filmische Erzählungen über diejenigen, die sich der Verteidigung eines freien Internet widmen oder auch über Protagonisten der Anonymous-Bewegung. Da gäbe es dann vermutlich auch europäische Geschichten zu erzählen. Höchst an der Zeit ist es, nach einer in der IT-Welt kaum präsenten Gruppe zu forschen: den Frauen. Da wären die ENIAC-Frauen (Serienpotential!) ein guter Anfang.

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