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Review: Filmgespräche zum österreichischen Kino

In 27 Filmgesprächen zum österreichischen Kino bietet Filmpublizistin Karin Schiefer einen Überblick über die Vielfalt des österreichischen Filmschaffens der letzten 10 Jahre. In den Interviews erweist sich Schiefer nicht nur als Kennerin des Filmschaffens jener Filmemacher/innen, die sie befragt, sondern auch als kompetente Gesprächspartnerin bei der Erörterung von Entwicklungs- und Herstellungsprozessen von Filmwerken. So ist der Interviewband dann auch reich an Details zum Thema Ideen- und Stoffentwicklung und insbesondere auch für Drehbuchautor/inn/en lesenswert. Bereits im ersten Interview mit Michael Haneke über „Das weisse Band“ wird zum Beispiel auf interessante Weise über die Rollen von Kindern und deren Funktion für die emotionalen Themen im Film und über die Funktion von Voice-over gesprochen. Später wird Götz Spielmann im Gespräch über „Antares“ von der Schwierigkeit, Alltägliches interessant zu inszenieren und über den Anspruch auf Genauigkeit sprechen. Im Interview mit Wolfgang Murnberger über „Der Knochenmann“ geht es dann um die Adaption literarischer Vorlagen und um Anforderungen, die damit einhergehen, zum Beispiel die Notwendigkeit zur Reduktion von Figuren und zur Komprimierung von Schauplätzen. Murnberger erklärt auch das „darwinistische Prinzip der Ideenentwicklung“, das beim gemeinsamen Drehbuchschreiben mit Wolf Haas und Josef Hader zum Tragen kommt. Karl Markovics wird im Gespräch über „Atmen“ etwas beschreiben, was in vielen anderen Gesprächen auch vorkommt: Wie wird aus einer Anfangsidee (ein Setting, ein Bild oder ein Thema) ein Film. In nicht wenigen Gesprächen geht es darum, wie man sich über Recherche und Improvisation an etwas heran tastet, was es wert ist auf die Leinwand gebracht zu werden, zum Beispiel beschreibt Tizza Covi im Gespräch über „La Pivellina“, wie am Drehort ein dreißigseitiger Plot ausgefüllt wurde. Es erweist sich, dass diese Form des Filmemachens jenem Schreiben sehr ähnlich ist, dem es um Authentizität geht. Das Buch ist aber nicht nur lesens-, sondern auch sehenswert, denn es ist mit Schwarzweiß-Fotografien von Lukas Beck illustriert, die – egal ob sie an öffentlichen oder privaten Plätzen gemacht wurden – sehr persönlich wirken. Es ist SYNEMA zu verdanken, dass mit diesem Interviewband eine Publikation vorliegt, die Einblick in die vielfältigen Arbeitsweisen der wichtigsten österreichischen Filmemacher/innen gibt.

Karin Schiefer: Filmgespräche zum österreichischen Kino.
Mit Fotos von Lukas Beck.
SYNEMA Publikationen Wien 2012.

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