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Crossmedia/Transmedia, Interaktiv, Web Fiction / Documentary

Storytelling 2.0

Dramaturgie in transmedialen und interaktiven Erzählungen in Film, TV und Videospielen

Kürzlich ging es hier um transmediales Storytelling.  Nun wird das Thema zur „Interaktivität“ weitergesponnen. Als Beispiel bietet sich hierfür die interaktive Webserie „Dirty Work“ an, die in den letzten Wochen in Online-Medien einige Aufmerksamkeit bekommen hat und das nicht etwa, weil es darin um drei bemitleideswerte junge Menschen geht, die mit dem Säubern von blutigen Tatorten ihren Lebensunterhalt verdienen.

Diese Webserie – und bei „Dirty Work“ handelt es sich um ein Format, dem diese Bezeichnung zusteht – war hierzulande nur kurz verfügbar. Dieses kurze Zeitfenster hat aber immerhin genügt, um sich einen vorläufigen Eindruck von der Wirkung des Formats zu verschaffen. Dieser Eindruck unterstützt die These, dass sich aus interaktiven Elementen einer Serie unter bestimmten Bedingungen dramaturgischer Mehrwert ergeben kann. Zu vermerken ist an dieser Stelle: Während es dem Trailer gelingt, einen Eindruck von den Stories und den Figuren der Serie zu vermitteln, gilt das – wenig überraschend – nicht für die Wirkung von deren Interaktivität.

Interaktivität in „Dirty Work“
Denn: Die interaktiven Elemente der Serie beschränken sich nicht darauf, dass die Zuseher/innen via SMS (verzichtbare?) Informationen anfordern können, vielmehr wird darüber hinausgehend die Möglichkeit geboten, verschiedenen Figuren (oder deren Fantasien und Geheimnissen) zu folgen. Hierbei geht es aber weniger um das Angebot alternativer Handlungsverläufe (was die Erzählung vermutlich etwas willkürlich erscheinen ließe), sondern um die Vertiefung von Beziehungsmuster und Handlungsmotivationen. Dass die Serie positive Resonanz erzeugt hat, dürfte also nicht zuletzt auch daran liegen, dass sich der „Show Runner“ der Serie, Aaron Shure („The Office“) und seine Kolleg/inn/en auf intelligente Weise mit den dramaturgischen Möglichkeiten von Formaten auseinandersetzen, die nicht nur in die (Serien)Länge bzw. Breite, sondern auch in die (Web)Tiefe gehen können.

Mehrwert von „Dirty Work“
Besagter Mehrwert lässt sich also nicht unabhängig von der Qualität von Drehbuch und Darstellung verstehen. Nicht nur die Drehbücher der Serie sind gut, auch der Cast braucht sich nicht zu verstecken. Zu diesem gehört zum Beispiel Mary Lynn Rajskub, welche aus „24“ in Erinnerung geblieben ist. Die männliche Hauptfigur wird vom jungen Hank Harris dargestellt, der sich in den letzten 15 Jahren ebenfalls einiges Können erspielt hat. Da also eine gewisse Qualität gegeben ist, bleibt man am Ende – wie nach jeder guten Serie – mit dem Wunsch nach Mehr zurück, welcher in diesem Fall nicht erst mit der nächsten Folge erfüllt wird, sondern damit, dass man sofort weitere Fäden aufgreifen kann.

Beyond Two Souls: Nur ein Film?
Weniger positive Reaktionen hat zuletzt ein anderes interaktives audiovisuelles Produkt hervorgerufen: Mit „Beyond Two Souls“ ist ein Videospiel präsentiert worden, für das Ellen Page („Juno“, „Inception“) in eindrucksvoller Weise digitalisiert wurde. Die potentiellen Spielekonsument/inn/en sollen mit dem Spiel aber trotzdem nicht zufrieden sein, da sich die interaktiven Spieleelemente von „Beyond Two Souls“ darauf beschränken dürften, dass man ab und zu den Ablauf steuern kann. Aber in Anbetracht des Trailers: Warum sollte man das wollen?

The Prototype: Videospiel oder Film?
Welche Stories sich eher für Film bzw. eher für Videospiel eignen, das hat sich zuletzt auch ein Blogger von /Film gefragt. Wie sei das zum Beispiel mit Stories von Menschen, die von Regierungsbehörden zu Supersoldaten gemacht und dann gejagt werden?  Das soeben Beschriebene – es handelt sich um den Plot zum Film „The Prototype“ (Regie: Andrew Will) – ist nach Meinung des Blogautors eher für ein Spiel (Prototype Game Trailer) geeignet. Dieser Meinung wollten sich aber wenige Leser/innen anschließen: in zahlreichen Kommentaren zum Artikel haben sich diese mehrheitlich dahingehend geäußert, dass sie diesen Film sehen wollen:

Online-Spiel zum ARD-Tatort
Mit einer ganz anderen Form der Interaktivität hat unter dem Titel „Tatort+“ zuletzt auch die ARD experimentiert. Für ihr transmediales Experiment haben sich die Verantwortlichen jenes Format erwählt, welches zur am längsten laufenden und am meist gesehensten Sendung der Öffentlich-Rechtlichen Sender zählt und welches auch von jungen Seher/innen nicht ganz links liegen gelassen wird: Den „Tatort“. Bestanden hat die „Interaktivität“ in diesem transmedialen Projekt darin, dass die Seher/inne/n nach der TV-Ausstrahlung des „Tatort“ im Internet zu einer offenen Frage weiter „ermitteln“ konnten.

Thoughts in Progress
Offene Fragen verlangen nach Antworten. Hiermit ist nur eine von zahlreichen Möglichkeiten angesprochen, mit denen aus passiven Zuseher/innen aktive Nutzer/innen gemacht werden können. Ob man Nutzer/innen (ein)bindet, indem man Rätsel aufgibt, Entscheidungen einfordert oder Handeln ermöglicht, hängt unter anderem davon ab, welche Emotionen mit den Erzählungen geweckt und welche Nutzertypen angesprochen werden sollen. Krimi-Liebhaber/innen werden gerne eine Rätsel lösen, während Fans von Dramenserien vielleicht noch tiefer in die Gedankenwelt von Figuren eintauchen wollen und für Action-Hungrige muss man – Action bieten.
Über die dramaturgischen Möglichkeiten transmedialer und/oder interaktiver Produkte wird hier noch öfter zu lesen sein, aber so viel schon jetzt: Über die Auseinandersetzung mit transmedialen und interaktiven Unterhaltungsprodukten ergeben sich nicht nur neue Perspektiven auf dramaturgische Techniken, sondern auch Ideen, wie sich diese für das Marketing nutzen lassen.

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