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Drehbuchberatung

Dramaturgen als Verhinderer?

Herausforderungen für angehende Dramaturg/inn/en
Über die Arbeit von Dramaturg/inn/en wird – nicht immer zu unrecht – gerne polemisiert. Zu Beginn des Entstehungsprozesses eines Films sitzen gelegentlich weniger erfahrene Drehbuchberater/innen erfahreneren Drehbuchautor/inn/en oder hierzulande auch Autorenfilmer/inne/n gegenüber. Unter anderem liegt das daran, dass die Möglichkeiten dramaturgische Erfahrung zu sammeln begrenzt sind. Das beginnt mit den Zulassungsbeschränkungen zum Drehbuch- und Dramaturgiestudium und setzt sich mit knappen Beschäftigungsmöglichkeiten in den Produktionsfirmen und Sendern fort. Während Regisseurinnen und Regisseure von der Learning-by-Doing-Methode in hohem Ausmaß profitieren, ist es für angehende Dramaturg/inn/en sehr viel wichtiger, von erfahrenen Filmschaffenden und Produzent/innen zu lernen. Diesen Aspekt hat auch die britische Stoffentwicklerin Sophie Meyer in einem Audio-Interview mit Industrial Scripts als sehr bedeutsam für ihre Entwicklung angegeben (registrieren und kostenlos anhören).

Dramaturg/inn/en als Verhinderer von Originalität?
Erfahrene Dramaturg/inn/en werden eher selten versuchen ein Spielfilmdebut in ein massentaugliches Korsett zu zwängen. Anders als in einem Artikel auf Little White Lies Magazin befürchtet, sind sie sehr wohl in der Lage No/Low-Budget-Erstlinge zu beraten, ohne dass sie deren Originalität ausmerzen.  In dem erwähnten Artikel werden herausragende Frühwerke (z. B. Christopher Nolans „Following“, Kevin Smiths „Clerks“) als Startpunkt für die Karrieren von heute etablierten Regisseuren angeführt. In der angeblich zunehmenden Standardisierung im Zuge von Drehbuchkursen und Dramaturgieangeboten macht der Autor des Artikels, Christopher Neilan, eine Gefahr für die Originalität von Regisseuren – wenn nicht gar für die Entwicklung der Filmgeschichte – aus, denn es liege in der Natur von Drehbuchexpertisen, dass sie standardisierten. An dieser Stelle muss dem Autor eine eingeschränkte Sichtweise auf die Tätigkeit von professionellen Dramaturg/innen vorgehalten werden: Bei deren Arbeit kann es darum gehen, Stoffe für das Hauptabendprogramm zurechtzuschleifen – es muss aber nicht. Spannend wird die dramaturgische Arbeit für manche gerade dort, wo es darum geht, nach der adäquaten Form für ungewöhnliche Stoffe zu suchen.

Signature of french director Jean-Luc Godard F...

Godard, Tarkowski & Co.
Als Beispiele dafür, was in der Vergangenheit möglich war, führt der Autor Regisseure wie Robert Rodriguez, Christopher Nolan, Kevin Smith, Ethan und Joel Coen, Jean-Luc Godard und Andrei Tarkowski an. Unter diesen Außenseitern und Experimentierfreudigen gibt es diejenigen, die sich mit ihren Arbeiten einen Platz in der Filmgeschichte erarbeitet und andere, z. B. Nolan, die sich damit für den Mainstream qualifiziert haben. Branchenerfahrene Dramaturg/inn/en wissen, dass es bei Spielfilmdebuts weniger um das perfekte Drehbuch geht, als vielmehr darum, dass junge Filmemacher/inn/en ihre Themen und ihren Stil entdecken und entwickeln und auch einen Platz für sich und ihre Geschichten finden können. Der handwerklichen Perfektion – und dazu gehört auch, ein Gespür dafür zu entwickeln, welche Form zu welchem Stoff passt – kommen sie später (hoffentlich) mit jedem weiteren Film einen Schritt näher. Sollten Standardisierung oder Konformität im globalen Kino zunehmen, liegt das nicht in der Verantwortung – und auch nicht in der Macht – von Dramaturg/inn/en.

Update vom 09.05.2012: In einem Artikel in Die Presse kommen die Dramaturg/inn/en Ursula Wolschlager, Robert Buchschwenter und Ines Häufler zu Wort.

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