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Schutzschirmschreiber

Die finale Season der herausragenden Polizei-Serie „The Shield“, kommentiert von Show Runner Shawn Ryan und drei seiner Co-Autoren

Die raue Highspeed-Copserie um den Testosteron-Bullen Vic Mackey (Michael Chiklis) liegt nun auch im deutschsprachigen Raum komplett auf DVD vor. In der siebenten und finalen, von Sony veröffentlichten Season der FX-Produktion „The Shield“ wird den brutalen und korrupten Machenschaften des von Mackey geleiteten Strike Teams, einer Spezialeinheit der Polizei von Los Angeles, ein würdiges Ende gesetzt: Dieses zerfleischt sich scheibchenweise selbst.

Alle Episoden sind mit (deutsch untertitelbaren) Audiokommen- taren in bunt gemischter Besetzung ausgestattet. Zumeist kommen die Schauspieler zu Wort (der trockene Witz von Jay „Dutch“ Karnes sei hier hervorgehoben), hin und wieder auch Regisseure, Kameraleute und Cutter. Für Drehbuchschreiber dürften vor allem die Episoden 701 („Coefficient of Drag“) und 702 („Snitch“) interessant sein.

Ep. 701: Kurt Sutters Resümée
Gemeinsam mit Michael Chiklis und Guy Ferland (dem mit 13 der insgesamt 88 Folgen meistbeschäftigten Regisseur der Serie) schaut Kurt Sutter (der mit 19 ausgewiesenen Folgen meistbeschäftigte Autor) auf dramaturgische Besonderheiten von „The Shield“ zurück. Speziell zwei davon verdienen Beachtung.
Als Autor genossen hat Sutter erstens das intern „Barn“ genannte Farmington-Revier, von dem aus die meisten Figuren logischerweise operieren. Sutter: „Selten gibt es einen Ort, an dem man alle Figuren zu jeder Zeit ganz organisch miteinander kreuzen und ihre Geschichten ganz einfach miteinander verweben kann.“ In seiner mehrstöckigen, teils übersichtlichen, teils verwinkelten, jedenfalls räumlich nicht zufällig gewählten Unterteilung (in Verhör- und Videoüberwachungsräume, in Anhaltezellen, Galerien-Büros, Küche, Garderobe und den Pausenraum des Strike Teams, das in der fünften Season übrigens Ziel eines internen Lauschangriffs wird), zeichnet sich das Revier u.a. durch die Möglichkeit zahlloser Treffpunkte und verschiedener schräger Blickachsen aus – das könnte im Verlauf der Serie sogar auf die Kreativität der Autoren zurückgewirkt haben.
Zweitens macht Sutter im Gespräch mit Ferland einen Vorteil im dramaturgischen Verfahren von „The Shield“ im Vergleich zu den meisten anderen Serien fest: Diese schicke nämlich ihre Figuren unablässig in unglaublich komplexe Situationen, ohne dass die Figuren selbst notwendig komplexe Charaktere wären. Oder in anderen Worten Sutters: „It shows real characters in complex situations“.
Obwohl Sutter selbst, längst in Sachen „Sons of Anarchy“ unterwegs, beim finalen „Pay-off“ nicht mehr mit von der Partie war, hat er am Ende der Serie mitgetüftelt. „Denn wir überlegen schon seit der vierten Season, wie wir es zu Ende bringen wollen“, so Sutter.

Ep. 702: Leider keine Autorenkonferenz
Für den Kommentar zu dieser Episode wollte Schöpfer und Show Runner Shawn Ryan einen Round Table mit allen wichtigen Autoren der Serie organisieren. Doch die meisten hatten sich längst in die Winde anderer Produktionen verstreut. Nicht einmal Neo-Autor Gary Lennon, der den Autoren-Credit von Episode 702 bekam, konnte sich für den Aufzeichnungstermin frei machen. Und Charles H. „Chic“ Eglee (15 Folgen) wäre ohnehin nicht dabei gewesen, weil er findet, dass Audiokommentare nichts bringen und er stattdessen lieber arbeitet. Übrig geblieben sind Neo-Autorin Lisa Randolph, die erst für die finale Season zu „The Shield“ gestoßen ist, und Executive Producer / Autor (14 Folgen) Adam Fierro. Dieser hat einen Tipp für angehende Serien-Autoren parat: „Schon selbstbewusst auftreten, an seine Ideen und seine Geschichten glauben, das Gefühl haben, sich eine Chance zu verdienen. Aber andererseits sich arrangieren können mit dem Boss und dem Team. Die müssen schließlich bis zu 14-Stunden-Tage mit einem verbringen.“

„I do love Excel!“
Im Kommentar zur Ep. 702 lässt Shawn Ryan wissen, dass es lange vor der Produktion jeder Season von „The Shield“ ausgedehnte Sitzungen mit allen beteiligten Autoren gegeben hat, die er als „Thementage“ bezeichnet: Neben einem Grobkonzept für die jeweilige Season habe man sich dabei auf rote Themenfäden wie Betrug, Loyaliät oder Unentschlossenheit verständigt, die dem Sender FX dann gepitcht worden seien. Interessantes Detail: Das Ende der zweiten Hauptfigur neben Mackey, des korrupten Cops Shane (Walton Goggins) und seiner Familie hat Ryan erst zwischen dem Dreh der Folgen 704 und 705 endgültig entschieden – obwohl in dieser Phase der Produktion die Zeit traditionell knapp und das Teamwork kompakter wird, sprich: mehrere Autoren gleichzeitig an einer Episode schreiben. In diesem Arbeitsmodus gewinnt dann auch der Mathematiker Ryan gegenüber dem Kreativen Ryan die Überhand. Kaum etwas genoss der Show Runner mehr, als drei oder vier hektisch parallel geschriebene Storylines so zu „takten“, dass alle Figuren und Geschichten zusammenpassen. Ryan: „I do love Excel!“

„The Shield“ in: ray Filmmagazin, Ausgabe 10/11

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