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How To Learn, Kreativität

Fallen auf dem Weg zur Originalität

Schwarze Listen von Klischees, Stereotypen und Tropen

Eine bekannte Filmszene: Eine Frau starrt den Bösewicht mit aufgerissen Augen an und presst die Hand vor den Mund. Niemals (!) käme sie auf die Idee, den Bösewicht anzugreifen. Wenn sie doch einmal hinhaut, trifft sie bestimmt den Helden. Noch ein Klischee gefällig? Eine emanzipierte Frauenfigur weist den Macho-Helden zunächst ab. Wenn er sie dann aber – eher früher als später – vor dem Tod rettet, wird sie ihn als Helden anerkennen. Und damit sind wir auch schon mittendrin, in der Klischee-Sammlung von The Movie Cliches List.

Klischees sind Sätze, Motive, Bilder, die häufig genug gebraucht worden sind, als dass sie als vorhersehbar oder überstrapaziert wahrgenommen werden können und somit riskieren, die Aufmerksamkeit von versierten Zuschauer/inne/n von der Story ab- und auf die Ideenlosigkeit eines Autors oder einer Autorin hinzulenken.

Ein britischer Autoren-Blog zählt Klischees (eigentlich Stereotypen) auf, die zu vermeiden seien. Dazu gehören der durchgeknallte Kriegsverteran/Soldat, die professionelle Zicke, der diabolische Christ, der dumme Vater/Mann, der pädophile Priester, der traditionalistische Heuchler und noch ein paar andere, mit geringen Sympathiewerten ausgestattete Typen. Neben dieser Internetseite beschäftigen sich zahlreiche andere damit, welche Stereotypen, Klischees und Tropen auf den Index gehören. „The Movie Cliches List“ – von der es auch eine übersetzte Version gibt – ist nur eine davon.

Tropen
Vom Klischee abgegrenzt wird auf  TV Tropes der Tropus, der dort recht freizügig als Konvention, als wieder erkennbares Muster beschrieben wird – nicht jedoch ohne darauf hinzuweisen, dass das Oxford English Dictionary die Definition „a significant or recurrent theme; a motif“ anerkenne. Nach der Definition der Autor/inn/en der Seite kann ein Tropus ein Plottrick, ein Setup, eine narrative Struktur oder ein Charaktertyp sein. Wenn der Tropus beginnt, die Betrachter/innen abzulenken, dann sei er auf dem besten Weg zum Klischee zu werden. Ein Beispiel ist das „Manic Pixie Dream Girl“: Diese Figur ist attraktiv, freigeistig und exzentrisch und tritt auf, um einen emotional verkümmerten, brütenden Helden unter ungünstigsten Umständen zur Liebe zu bekehren. Von der hinkünftigen Verwendung dieser Figur kann in Anbetracht einiger Beispiele nur abgeraten werden.

Stereotyp in Abgrenzung zum Archetyp
Der Drehbuch-Dozent Robert McKee sagt über Stereotypen in Abgrenzung zu Archetypen: „Die archetypische Story bringt eine universale menschliche Erfahrung ans Licht und findet dann einen einmaligen, kulturspezifischen Ausdruck. Eine stereotype Story kehrt dieses Schema um: Sie krankt an der Dürftigkeit sowohl des Inhalts als auch der Form. Sie beschränkt sich auf eine begrenzte, kulturspezifische Erfahrung und drückt sich in schalen, unspezifischen Gemeinplätzen aus“. (McKee könnte bei der Beschreibung des Stereotyps ein wenig spezifischer sein…) Es sei die zweifache Begegnung, nach der wir uns sehnen: Einerseits wollen wir eine Welt entdecken die wir nicht kennen und andererseits wollen wir uns in dieser fremden Welt wieder entdecken. Nicht nur McKee ist der Meinung, dass uns diese Welt nur jemand erzählen kann, der sie auch gut kennt.

Der Krieg gegen das Klischee
Mit dieser militärischen Metapher leitet McKee in seinem Buch über das Drehbuchschreiben („Story“) einen kleinen Abschnitt zum Thema ein: „Für das Entstehen sämtlicher Klischees lässt sich ein einziger Grund ausmachen: Der Autor kennt die Welt seiner Story nicht.“ Daher wende sich der Autor Filmen, Romanen und Theaterstücken mit einem ähnlichen Setting zu. Die Zuflucht zum Klischee hat demnach nicht zwangsläufig mit mangelndem Talent zu tun, sondern es fehle vielmehr an tiefgreifendem Verstehen des Settings einer Story samt allem, was es enthalte. Wenn ein Autor die Welt seiner Story also intensiv erforscht, wird er so viele spezifische und vielleicht sogar neue Bilder, Szenen und Dialoge finden, dass er auf Allgemeinplätze (die nicht einmal falsch sein müssen, um die Unzufriedenheit der Zuschauer/innen hervorzurufen) verzichten kann.

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