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Cover Breaking Bad Season dreiAus dem Writer’s Room von „Breaking Bad“

DVD-Editionen von TV-Serien sind immer öfter mit einer verschwenderischen Anzahl von Audiokommentaren bestückt – nicht selten zum Gaudium der Zuhörerschaft. Zwar sind enervierende Elemente wie gegenseitige Bauchpinselung oder automatisierte Lobgesänge, wann immer der Name eines Crewmitglieds fällt, offenbar nicht wegzukriegen. Doch wenn die passenden Leute gemeinsam einen Kommentar einsprechen, kann sich daraus im besten Fall eine eigene kleine Kunstform entwickeln. Wenn zum Beispiel ein Typ mit staubtrockenem Humor, ein zart machistischer Sprücheklopfer und eine schlagfertige Pseudozicke aufeinandertreffen, und wenn die Anekdoten hinter der entsprechenden Episode es hergeben, kann fast so etwas wie Comedy daraus werden. Die Rede ist von Emmy-Gewinner Bryan Cranston, Dean Norris und Betsy Brandt, allesamt Hauptdarsteller der großartigen, mehrfach preisgekrönten AMC-Sony-Serie „Breaking Bad“, deren nunmehr dritte Season hier zu Lande auf DVD erhältlich ist.

Episode 306 und 307
Die zahlreichen Audiokommentare der ersten drei Seasons (die vierte ist in den USA gerade on air, eine fette fünfte mit 16 Folgen ist beschlossen) sind zumeist also mindestens vergnüglich, der eine oder andere auch aus dramaturgischer Sicht informativ. Beispiel Episode 306 („Sunset“): Hier unterhält sich Showrunner Vince Gilligan mit Writer/Director John Shiban (auch Consulting Producer der dritten Season) und mit Music Supervisor Thomas Golubic über den musikalischen Spannungsaufbau emotionaler Szenen, bei dem gänzlich auf den üblichen manipulativen Überwältigungsgestus verzichtet wird. Dass Komponist Dave Porter bei der Entladung solcher Szenen teils sogar ohne Musik auskommt, ist eine der erfrischenden Innovationen von „Breaking Bad“. Porter und andere kommentieren dann mit Autor Tom Schnauz (den Vince Gilligan seit gemeinsamen „X-Files“-Tagen kennt) die Episode 307 („One Minute“). In einer interessanten Passage dieses Kommentars geht es um das Teamwork im Writer’s Room von „Breaking Bad“, z. B. mit den Kollegen George Mastras, Peter Gould oder Moira Wally-Becket, um nur einige zu nennen.

Kontrast im Doppelpack
Im Kommentar zu „Sunset“ fragt Dean Norris (der in der Serie als Drogenfahnder der Meth dealenden Hauptfigur und damit unwissend seinem Schwager auf den Fersen ist) seinen Showrunner, wie das Kreativteam eigentlich auf die Figuren der faszinierenden, „opernhaften“ killenden Cousins gekommen ist. Und nach kurzem Zögern gesteht Gilligan ganz offen, dass der Gedankengang manchmal ein schlichter ist: In diesem Fall habe man sich die neue Gangsterfigur einfach als das Gegenteil einer schon da gewesenen vorgestellt. Den dauerschwätzenden Giftzwerg und hirnverbrannten Drogendealer Tuco in Season zwei wollten Gilligan und Shiban mit einer megacoolen, schweigsamen Killer-Kunstfigur kontrastieren. Schließlich verdoppelten sie die Figur noch – und schon waren die mexikanischen Zwillinge mit ihren Totenkopfspitz-Stiefeln für Season drei geboren. Und sorgen nach einem eindrücklichen Auftritt ganz zu Beginn der Season allein durch ihr Auftreten für erhöhten Pulsschlag. Das Schreiben dieser Szenen, das hört man auch an den Lachern im Audiokommentar, muss ein Höllenspaß gewesen sein: „I had a feel for some weird dialogue“, berichtet Tom Schnauz z. B. über das Verfassen der Szene, in der die Cousins Waffen und Schutzwesten kaufen. Beides probieren sie sogleich wortlos am Verkäufer aus, wodurch sie – zumindest kurzfristig – dessen obszönen Sprechdurchfall kurieren.

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