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Serien: These programs may contain strong language [Updated]

Britische Jugendserien des Senders E4 – Wild, weird, wanker

Der auf eine jugendliche Zielgruppe ausgerichtete digitale Fernsehsender E4 produziert drei der derzeit erfolgreichsten britischen Jugendserien. Mit dem Mystery-Action-Drama „Misfits“ ging im November 2009 nach der Sitcom „The Inbetweeners“ und dem äußerst populären Teen-Drama „Skins“ die dritte Jugendserie des Senders on air.

In „Misfits“ verbünden sich fünf straffällig gewordene Jugendliche gegen die Wirren einer aus den Fugen geratenen Welt. Mit Verve und übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet kämpfen sie darum, dass ihr Leben – inmitten der durch einen mysteriösen Sturm ausgelösten Rasereien – nicht vollends außer Kontrolle gerät.
In der Sitcom „The Inbetweeners“ geht’s weniger um Action, dafür umso mehr um Humor. Dieser baut einerseits auf die Versuche auf, Mädchen zu beeindrucken, die jedes Mal auf das Unterhaltsamste scheitern, andererseits auf die verbalen Explorationen von „Sex“ in all seinen mehr oder weniger peinlichen Facetten.
„Skins“ wiederum wird in der Promotion des Senders als Drogen-Sex-Party-Serie dargestellt. Unter der schrillen Oberfläche geht es aber natürlich um die Verwirrungen und Irrungen jugendlicher Freund- und Liebschaften. Die Dramen der Bristol Teenager spielen sich im intensiven Spannungsfeld von Sexualität, Macht, Religion und Borderline-Störungen ab.

US-amerikanische Serien Im Vergleich
Alle drei genannten Serien sind im Vergleich zu derzeit erfolgreichen amerikanischen Jugendserien frech und erfrischend. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich die britischen Teenager kein Blatt vor den Mund nehmen. Neben dem derben Sprachgebrauch fällt im Vergleich zu den zuletzt erfolgreichen US-Serien „Glee“ oder „Friday Night Lights“ auf, dass es in keiner der britischen Serien vordergründig um „Erfolg“ geht. Wenn „Glee“  jugendliche Ehrgeiz mit viel Glitter ausstattet und wenn in „Friday Night Lights“ heroische Siegerambitionen gefühlvoll in Szene gesetzt werden, wird den amerikanischen Kids vermittelt, wie wichtig es ist „special“ und der Beste zu sein. Die „Mistfists“ und die „Inbetweeners“ dagegen erstrahlen nicht im Scheinwerferlicht, das auf Erfolgsambitionen und dazu gehörigem Siegestaumel gerichtet ist, sondern in grellem und manchmal düsterem, aber jedenfalls immer aufregendem Glanz.

„MISFITS“ (Seit 2009)
Drama (46 Minuten, 6 Episoden pro Staffel)

Figuren
Nach einem mysteriösen Sturm ist die Welt nicht mehr das, was sie vorher war. Fünf straffällig gewordene Jugendliche, die gemeinsam gemeinnützige Arbeit ableisten, bemerken das bald am eigenen Leib: Die toughe Kelly kann plötzlich die Gedanken anderer Menschen „hören“, Sportler Curtis die Zeit „zurück drehen“, eine Berührung mit sexy Alisha bringt Männer zur sexuellen Raserei und der unauffällige Simon kann sich in Luft auflösen. Der smarte Nathan hat vom Sturm eine ganz besondere Fähigkeit abbekommen, welche das ist, wird aber erst im Staffelfinale verraten. Die Eigenschaften, die  in den Beschreibungen der Serie „Superkräfte“ genannt werden, sind so super  nicht. Die „Fähigkeit“ von sexy Alisha z.B. ist nicht nur unkontrollierbar, sie ist sogar ein ihren Leib bedrohender „Fluch“. Aber die Welt ist nach dem Sturm sowieso verrückt geworden und so fallen derlei Merkwürdigkeiten nicht weiter auf.

Thema
In „Misfits“ sind die jugendlichen Protagonisten mit Verhaltensmustern  ausgestattet, die dieses Alter so mit sich bringt: Unbändige Selbstüberschätzung, Leichtsinnigkeit und ruppige Härte. Die Serie spielt auf originelle Weise mit typischen Jugend-Themen, von der Alltagserfahrung normaler Jugendlicher weicht sie auf Grund des „Übernatürlichen“-Settings aber dann doch erheblich ab. Die Herausforderungen, mit denen die „Mistfits“ konfrontiert sind, rücken dann auch die „Action“ gegenüber der „Charakterentwicklung“ in den Vordergrund.

System
Das „System des Übernatürlichen“ ist zwar psychologisch begründet (der Sturm hat die Schwächen, bzw. die herausragenden Eigenschaften der Menschen verstärkt), es bleibt darin aber diffus. Immerhin erlaubt das „System“ den Serienmacher/innen aber, neben Actionelementen auch Elemente des Superhelden-, Zombie- Werwolf- und Mysterygenre einzusetzen. Daraus kann man schlussfolgern, dass das „System des Übernatürlichen“ in „Misfits“ weniger in Bezug auf die Figuren interessant ist, dafür umso mehr Potential für die Spannung bietet, wie sich im Verlauf der ersten Staffel zeigt. In einer fiktionalen Welt, in der auf Grund des Settings alles möglich ist, kann, naja, vieles passieren. Die Frage, was in diesem System passieren kann und ob es sich selbst regulieren wird, kann durchaus als Metapher für die Erfahrungen mit  pubertierenden Jugendlichen gesehen werden.

„THE INBETWEENERS“ (Seit 2008)
Die Sitcom (21-24 Minuten, 6 Episoden pro Staffel)

Die Typen
Vier Jungs, die in einem Londoner Vorort gemeinsam zur Schule gehen, liefern die erheiternden Ereignisse für diese Sitcom. „The Inbetweeners“, das sagt schon das Wort, gehören nicht zu den angesagten Kids an der Schule, aber auch nicht zu den Nerds. Sie gehören aber immerhin zu denjenigen,  die auf einen Aufstieg hoffen dürfen.

Der aus dem „Off“ kommentierende Will ist nicht nur ein Vieldredner, sondern auch ein Schnellreagierer. Deswegen wird er manchmal von Arrogranz heimgesucht, die – gepaart mit Ehrgeiz – im sozialen Biotop „Schule“ nicht gerade von Vorteil ist. Dem durchaus ansehnlichen Simon fehlt es weder an Intelligenz, noch an Charme oder Verwegenheit. Er hat von allem ein bisschen, aber von nichts genug. Geschlagen werden diese beiden Figuren in ihrer Minderbegabung als „In-Kids“ von Jay. Der kann sein Selbstbewusstsein, das von seinem Vater permanent mit Füßen getreten wird, nur mit Sex- und anderen Lügengeschichten aufrecht erhalten. Neil ist derjenige, der am wenigsten am Leben leidet. Seine Gleichmütigkeit, an der alle Widrigkeiten so eines Schullebens abprallen, mag für ihn ganz praktisch sein, ein sozial verträgliches Verhalten wird damit aber nicht begünstigt.

Themen
Hauptthemen in „The Inbetweeners“ sind Sex und Mädchen. Mädchen kommen in den Gesprächen hauptsächlich als Objekt schmerzhafter Sehnsucht vor. Um genau zu sein: Für Simon ist Kindheitsfreundin Carli unerreichbar. Für Will ist Schulbeauty Charlotte das Objekt unbefriedigter Begierde und von Jay will kein Mädchen dieser Welt jemals betatscht werden. Ein Running Gag sind die aussichtslosen Versuche von Neil mit Mrs. McKenzie, Wills fescher Mutter, anzubandeln. Die Angebeteten sind je nach Stimmung auch ein wenig interessiert, aber letzten Endes sind die Jungs einfach zu „unfähig“. Die mimischen Anforderungen an die Schauspielkunst der weiblichen Darstellerinnen – zumindest der jungen – besteht dann auch hauptsächlich darin, konsterniert zu schauen. Erklärt wird das Verlierertum an der Mädchenfront mit den mangelhaften häuslichen Vorbilder: Die Väter der vier Jungen sind als „Role Models“ für einen toughen Schulalltag allesamt ungeeignet.

„SKINS“ (Seit 2007)
Drama (47 Minuten, 10 Episoden pro Staffel)

„Skins“ ist die bekannteste und die am längsten laufende Serie dieser drei. „Skins“ ist auch die Serie mit dem umfangreichsten Cast, der dafür bekannt ist, dass er alle zwei Jahre ausgewechselt wird. Im August 2010 hat E4 die Darsteller/innen der „Dritten Generation“ bekannt gegeben, die 2011 mit der fünften Staffel on air gehen werden. Kennzeichnend für die Serie – und das was sie so interessant macht – sind die authentischen und psychologisch (und dramaturgisch) im besten Sinn ambivalenten Figuren. Im Übrigen ist „Skins“ auch die Serie, über die schon am meisten geschrieben und gesprochen wurde.

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