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Filmanalysen

„Bedürfnis/Need“ in Inception

Roman mosaic picturing Theseus and the Minotau...
Image via Wikipedia

Dom Cobb (DiCaprio) hat eine Begabung: Er kann Träume erschaffen und Geheimnisse daraus extrahieren. Diese Begabung hat er aber nicht etwa aus dem Hut gezaubert – nein, er hat sie unter großen Risiken erarbeitet. Auf dem Weg zum weltbesten „extractor“ ist ihm anscheinend sogar seine Frau Mal auf gewaltsame Weise abhanden gekommen. Cobb jedenfalls ist vor belastenden Mord-Beweisen davon gelaufen und kann seinen Kinder James und Phillipa seitdem nur mehr in Ferngesprächen „Gute Nacht“ sagen. Er würde alles tun, wenn er nur wieder zurück könnte. Als er von einem Konzernboss (Watanabe) den Auftrag bekommt, via Inception-Technik einen Gedanken in das Gehirn eines Konkurrenten zu pflanzen, stimmt er zu, weil der Auftraggeber ihm eben diese Rückkehrmöglichkeit in Aussicht stellt. Der Auftrag erfordert es, tief in das Unbewusste vorzudringen, wo verschiedene Gefahren – einschließlich einer toten Ehefrau – darauf warten, seinen Auftrag zu sabotieren und ihn damit weiterhin von seinen Kindern fernzuhalten.

Need/Bedürfnis (emotionales Thema): Schuld

In der Klimax des Films rammt die Ehefrau Mal Cobb ein Messer in den Bauch, nachdem er ihr sagt:

„I miss you more than I can bear, but we had our time together. I have to let you go… Look at you. You’re just a shade, a shade of my real wife. How could I capture all your beauty, your complexity, your perfection, your imperfection, in a dream? Yes, you’re the best that I can do. But, I’m sorry, you’re just not good enough.“ (Cobb)

Bereits in den ersten Filmminuten erfahren wir, dass Cobb seiner Frau Mal (Cotillard) nicht trauen kann. Trotzdem seilt er sich – gesichert von einem Stuhl auf dem sie sitzt – aus einem Fenster ab. Prompt steht sie auf und lässt Cobb in die Leine fallen. Wenig später richtet sie eine Waffe auf ihn. Es wird immer klarer, dass Mal sich von Cobb betrogen fühlt. Sie ist eine Furie. Cobb ist schuldig, aber wofür? Hat er sie in den Selbstmord getrieben? Hat er sie verlassen? Wenn wir seiner Erzählung glauben, dann hat er ihr einen Gedanken eingepflanzt, der letzten Endes zu ihrem Selbstmord geführt hat: „Deine Welt ist nicht real“. Cobbs Schuld(unter)bewusstsein jedenfalls ist groß. Von dieser Schuld muss er sich befreien, bevor er zu seinen Kindern zurück kann.

Die Deutung, wo der Traum in „Inception“ anfängt und wo er wieder aufhört, überlässt Regisseur Nolan den Zuseher/innen. So lässt sich dann auch nicht so einfach feststellen, welche Schuld Cobb tatsächlich auf sich geladen hat. Einiges spricht aber dafür, dass die „Mal und Cobb im Limbo“-Geschichte nur eine „vorgegaukelte“ Erklärung ist.

Zwei Figuren (beides Traumprojektionen?) kann man für das Verständnis seines „Need“ jedenfalls in Betracht ziehen: Mal, die Cobbs Leben einfordert, dass er ihr zu schulden scheint und die junge Architektin (Page), Cobbs Alter Ego, die ihn aus dem Labyrinth der Schuld führt und folgerichtig nach der mythischen Gestalt, die Theseus den Weg aus dem Labyrinth weist, nach Ariadne benannt ist. Mehr zum Schuldthema in Inception.

Das System: Mind-Game-Movies
Das Ziel in „Inception“ ist es, der Zielperson Fisher einen Gedanken einzupflanzen. Die Plotspannung ergibt sich aus Abwehrprojektionen (Fisher) und aus Sabotageprojektionen (Ehefrau Mal), die das Erreichen dieses Ziels vereiteln könnten. Ein Element im Inception-System besteht in den sich dehnenden Traumzeiten. Abgesehen davon, dass das System aus Irrwegen, unbekannten Ausgängen und gedehnten Zeiten in Zusammenhang mit der Backstory von Cobb und mit seinem „Need“ steht, stellt es die Figuren und die Zuschauer/innen vor Rätsel, die es zu lösen gilt.

Die Befriedigung beim Lösen von Filmrätseln – denen ein logisches System zu Grunde liegt – besteht in der Erlösung durch Auflösung. Aber nicht alle Mind-Game-Movies funktionieren nach diesem Prinzip. Neben Filmen, in denen am Ende der Vorhang gelüftet wird und es einem  vielleicht wie Schuppen von den Augen fällt („The Sixth sense“, „Fight Club“) gibt es Filme, die keine eindeutige Auflösung liefern („Donnie Darko“, „Lost Highway“). Filme letzterer Kategorie – und ihre Regisseure – werden bevorzugt zum Kult erklärt. Nolan ist ersteren zuzurechnen, trotdem hat er mit „Following“ und „Memento“ Kultstatus erreicht. Mit „Inception“ könnte es ihm nun gelingen, mit einem Mind-Game-Movie auch den Boxoffice-Thron zu erobern.

Related Articles: Thema/Need/Psychologie

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