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Kriegsfilm

Afrika: Der blutende Kontinent am Box Office

Film poster for Black Hawk Down - Copyright 20...

Film poster for Black Hawk Down – Copyright 2001, Columbia Pictures (Photo credit: Wikipedia)

Actionfilme und Thriller, die sich vor dem Hintergrund realer militärischer Konflikte auf dem afrikanischen Kontinent abspielen, lassen in der Regel die Kassen der westlichen Filmindustrie klingeln, so hat z.B. “Black Hawk Down” weltweit 172 Mio $ eingespielt, gefolgt von “Blood Diamond” mit 171 Mio $.

„The Constant Gardener”, ein Film dessen Handlung auf den Machenschaften eines skrupellosen Pharmakonzerns anstatt auf blutigen Bürgerkriegen beruht, hat am Box Office schon weniger gut reüssiert, nimmt sich mit 82 Mio $ gegen ein anderes Genre – nämlich das des „kleinen“ afrikanischen Dramas – aber noch gut aus. Mit den Box-Office-Ergebnissen von hoch budgetierter Bürgerkriegs- und Verschwörungs-Action können Dramen wie „Moolaadé“ oder “Bamako”, in denen (afrikanische) FilmemacherInnnen für wenig Geld viel Aufklärung produzieren, nicht mithalten.

Ein immer wieder aufgegriffenes Thema, das ebenfalls auffällig nicht mit Box-Office-Erfolgen belohnt wird, ist die Apartheid in Südafrika. Davon kann man den kürzlich angelaufenen “Invictus”, in dem Clint Eastwood eine Episode aus dem Leben von Nelson Mandela erzählt, ausnehmen, auch wenn er im Box-Office-Ranking der Großproduktionen, die sich mit dem blutenden und hungernden Kontinent beschäftigen, einen bescheidenen Platz einnimmt. Mit derzeit 34 Mio $ lässt er aber immerhin Apartheid-Filme wie “Cry Freedom” oder “Catch a Fire” weit hinter sich.

Apropos Südafrika: Mit „District 9“ hat der südafrikanische Nachwuchs-Regisseur Neill Blomkamp  einen Science-Fiction-Film der Sonderklasse realisiert. Der Film,  der sich nicht nur formal und visuell in herausragender Weise mit der Klassengesellschaft- und Flüchtlingsthematik auseinandersetzt, hat bisher weltweit 200 Mio $ eingespielt.

Gespannt sein darf man auch auf eine Literaturadaption, deren sich Danny Boyle angenommen hat. Im Zentrum von „Ponte Tower“ steht ein ehemals nobles Wohnhochhaus in Johannesburg, das nach dem Ende der Apartheid zu einem von Drogenhandel und Gewalt beherrschten Ort wird.

Fakten und Zahlen:

INTERNATIONALE GROSSPRODUKTIONEN

„Black Hawk Down“ ist eine US-amerikanische High-Budget-Produktion von Regie-Veteran Ridley Scott, in der er die Schlacht von Mogadischu, bei der US- und UNO-Soldaten in eine Falle somalischer Milizionäre geraten sind, verfilmt hat. Hintergrund dieses actionreichen Kriegsfilms ist der somalische Bürgerkrieg.
(Produktion: USA, 2001, Produktionsbudget: 92 Mio $, Einspielergebnisse weltweit: 172 Mio $).

Die internationale Co-Produktion „Hotel Rwanda“ des irischen Regisseurs Terry George ist ein Kriegsdrama, das den Beginn des Volkermordes in Ruanda 1994 zum Thema macht. Im Zentrum steht ein Hotelmanager in Kigali, der die internationale Hilfsgemeinschaft in der Tragödie vergeblich um Hilfe anruft.
(Produktion: UK, USA, Italy, South Africa, 2004; Produktionskosten: 17 Mio $, Einspielergebnisse weltweit: 33 Mio $)

Die internationale Co-Produktion „The Interpreter,“ von Regisseur Sydney Pollack ist ein Thriller, der den Auftritt der Machthaber eines fiktiven afrikanischen Staates vor der UN in New York als Hintergrund hat. Die weiße – aus demselben fiktiven Staat stammende – Dolmetscherin Silvia Broome steht im Mittelpunkt dieses Verschwörungsthrillers, der fast ausschließlich in den USA spielt.
(Produktion: UK, USA, FR, 2005, Produktionskosten: 80 Mio $, Einspielergebnisse: 162 Mio $)

Der US-amerikanisch-britsche Politthriller „The Last King of Scotland“ von Kevin MacDonald basiert auf tatsächlichen Ereignissen aus der Regierungszeit des ugandischen Diktators Idi Amin, der sich in dieses „Amt“ geputscht hat und als der Schlächter von Afrika in die Geschichte eingegangen ist. Im Mittelpunkt der fiktiven Geschichte steht der junge schottische Mediziner Nicholas Garrigan, den es 1971 als Missionsarzt nach Uganda verschlägt und der sich zunächst von Idi Amin korrumpieren lässt, um am Ende doch noch die Seiten zu wechseln.
(Produktion: UK, USA, 2006; Produktionskosten: 6 Mio $, Einspielergebnisse weltweit: 48 Mio $)

Die US-amerikanische Produktion „Blood Diamond“ von Regisseur Edward Zwick thematisiert den Handel mit Blutdiamanten und den Missbrauch von Kindersoldaten vor dem Hintergrund des Bürgerkrieges in Sierra Leone. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der weiße, aus Simbabwe stammende Söldner und Diamantenschmuggler Danny Archer.
(Produktion: USA, 2006: Produktionskosten: 100 Mio $, Einspielergebnisse: 171 Mio $)

In „The Constant Gardener“ erzählt der brasilianische Regisseur Fernando Meirelles von einer Verschwörung der Pharmaindustrie, in die der britische – in Kenia als Diplomat tätige – Justin Quayle nach dem Tod seiner Frau – einer Aktivistin, die der Verschwörung auf der Spur war und deswegen sterben musste – gerät.
(Produktion: UK, 2005, Produktionskosten: 25 Mio $, Einspielergebnisse 82 Mio $)


DAS AFRIKANISCHE DRAMA

„Bamako“ ist ein 2006 erschienener französisch-US-amerikanisch-malischer Film von Abderrahmane Sissako, der in der malischen Hauptstadt Bamako spielt und einen fiktiven Prozess der afrikanischen Zivilgesellschaft gegen Weltbank und IWF zum Thema hat. (Wikipedia)
(Produktion: Mali, FR, USA, 2006, Produktionskosten: 2 Mio $, Einspielergebnisse USA : 112.000 $)

„Moolaadé“ ist ein Film des senegalisischen Regisseurs Ousmane Sembène. Es geht um vier Mädchen, die am Tag ihrer Beschneidung Zuflucht bei Collè suchen, einer Frau, die den Bann Moolaadé errichtet, indem sie ein Band um ihr Anwesen zieht, das die Beschneiderinnnen nicht übrschreiten können.
(Produktion: afrikanische Co-Produktion, Einspielergebnisse: 434.000 $)

„Tsotsi“ ist der dritte Langspielfilm des südafrikanischen Regisseurs Gavin Hood, mit dem er eine Literaturvorlage adaptiert, in der es um den verwaisten 19jährigen gewaltbereiten Kleinganoven Tsotsi geht, der eines Tages ein Baby im Fond eines gestohlenen Autos entdeckt.
(Produktion: Südafrika/UK, 2005, Produktionskosten: 3 Mio $, Einspielergebnisse: 10 Mio $)

Einspielergebnisse in Europa im Vergleich (in €)

Internationale Produktionen mit USA

  • The Interpreter 7,2 Mio (Nicole Kidman, Sean Penn)
  • Blood Diamond 7 Mio (Leonardo DiCaprio, Jennifer Connelly, Djimon Hounsou)
  • The Constant Gardener 4,8 Mio (Ralph Fiennes, Rachel Weisz)
  • Black Hawk Down 3,8 Mio (Josh Hartnett, Ewan McGregor, Tom Sizemore)
  • Last King of Scottland 2,6 Mio (Forest Withacker, James McAvoy)
  • Hotel Rwanda 1,3 Mio (Don Cheadle)

Afrikanische und/oder europäische Co-Produktionen

  • Tsotsi (UK/Südafrika) 714.000
  • Goodbye Bafana (Europe/Südafrika) 690.000
  • Bamako (Mali, USA, FR) 223.000
  • Moolaadé (Afrika/FR) 124.000
  • Daratt (Taschad/Europe) 77.900
  • Catch a Fire (FR, UK, Südafrika, USA) 76.000
  • Abouna (FR, Tschad, NL) 32.000
  • Welcome Home (AT) 31.929

Einspielergebnisse von Filmen über die Apartheid (weltweit)

  • „Goodbye Bafana“ (EU 690.000 €)
  • „Catch a Fire“ (weltweit 5,7 Mio $)
  • „Cry Freedom“ (USA 5,8 Mio $)
  • „The World Unseen“ (weltweit 23.000 $)
  • „The Power of One“ (USA 2,8 Mio $)
  • „Invictus“ (USA derzeit 34 Mio. $ )
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